Für Tierfreunde im besten Alter

Wolle und Lammfleisch aus Deutschland

Wolle und Lammfleisch aus Deutschland

Über das Leiden der Schafe auf unseren Weiden und die Wertlosigkeit von deutscher Wolle.

 

Recherchen von PETA  in der Wollindustrie der Länder USA und Australien brachten Bilder und Informationen über das Elend der Schafe ans Licht, die die Menschen schockierten. Das Geschehen auf den fernen Kontinenten wurde als tragisch wahrgenommen und insgeheim ging man davon aus, dass dies in Deutschland bestimmt nicht so tierverachtend gehandhabt wird. Wolle und Lammfleisch aus Deutschland vermittelten den falschen Eindruck von Tierfreundlichkeit.

Denn Wolle gilt noch immer als „naturnahes“ Produkt und so denken viele Menschen an friedliche Landschaften mit glücklichen Tieren, die einmal pro Jahr ganz in Ruhe und sorgsam geschoren werden.

Die aktuelle Recherche von PETA Deutschland e.V. zeigt nun auf, dass die Wollindustrie in Deutschland genauso grausam mit den Tieren umgeht wie in anderen Ländern. Hinzu kommt die schlechte Qualität der deutschen Wolle, die dadurch nur minimale Preise im Verkauf erzielt. Ein Minusgeschäft für den Schäfer – daher ist nur noch über Lammfleisch etwas zu verdienen. Die Schafe dürfen in der Haltung und Versorgung nur sowenig wie möglich kosten, damit die Schafzucht rentabel bleibt. Für die Tiere bedeutet das: Schlechte oder gar keine medizinische Versorgung bei Verletzungen und schweren Geburten, häufig unhygienische Zustände und dadurch eine hohe Todesrate – im Besonderen bei den Lämmern.

 

Die Wahrheit über Wolle und Lammfleisch im Detail

 

Das Leid der Schafe bei der Schur Wer die blutigen Bilder aus den Schurställen in Australien oder den USA gesehen hat, weiß um die systematische Gewalt gegenüber den sanftmütigen Tieren bei der Schafschur. Schafe geben ihre Wolle nicht freiwillig her. Auch in Deutschland berichten ehemalige Schäfer und Schafhalter von Schlägen, Gewalt oder gar Genickbruch der Tiere durch Scherer. (1) Schafe haben einen natürlichen Fluchtinstinkt und wollen fliehen, sobald sich ihnen jemand nähert und sie festhält. Oft werden sie grob gepackt, damit sie still halten. Sichtbar aufgerissene Augen, schnelle Atmung und Herzrasen während der Prozedur verdeutlichen den extremen Stress der Tiere. Wehren sich die Schafe, versetzen ihnen die ungeduldigen Scherer Schläge mit den Schurmaschinen. Der ehemalige deutsche Schäfer Günter Garbers beschreibt seine Berufsgenossen als raue und bisweilen gefühllose Gesellen, die Lämmern die Kehle aufschneiden und „nicht gängige“ Hunde erschlagen oder erschießen. (2) Auch Alkohol und Drogen sind bei Schafscherern ein häufiges Problem. (3)

 

Wolle für wenige Cent Deutsche Wolle ist häufig grob und nicht rein weiß. Viele Schafhalter erhalten von Wollhändlern daher nur 30 Cent pro Kilo ungewaschener Wolle. Ein Schaf besitzt je nach Rasse zwischen drei und fünf Kilo Wolle. Die Einnahmen aus dem Wollverkauf reichen daher nicht einmal, um die Kosten der Schur zu decken. Ein professioneller Scherer berechnet rund drei Euro pro geschorenes Schaf. Hinzu kommen noch Fahrt- und Transportkosten zu den Woll-Sammelstellen, sofern nicht direkt auf dem Hof geschoren wird. Vor allem für Halter von gemischten Schafrassen, wie Steinschaf, Heidschnucke oder Leineschaf, ist die Wolle der Tiere damit ein Minusgeschäft. Lediglich Halter von Merinolandschafen können mit mehr als einem Euro pro Kilo Schafswolle rechnen, denn Merinolandschafe liefern feinere und weißere Wolle. (4)

 

Wohin mit der Wolle? Die ungewaschene deutsche Wolle wird nach der Schur zum Waschen, Kämmen, Spinnen und Weiterverarbeiten ins Ausland transportiert. (5) Die Mischwolle wird meist in China, dem größten Wollveredler der Welt, zu Teppichen, Industriefilz, Wollpellets oder Dämmmaterial weiterverarbeitet. Selbst die Wolle von deutschen Merinolandschafen kann mit einer Wollfeinheit von 24-28 Mikron nicht mit der Merinowolle aus Australien mithalten, die zwischen 14-21 Mikron fein ist. Deshalb wird die deutsche Wolle nur selten in der Bekleidungsherstellung verwendet. Wer also Unterwäsche, Feinstrickpullover oder Mäntel aus Wolle kauft, trägt mit großer Wahrscheinlichkeit die Haare von Schafen aus Australien, China oder Neuseeland.

 

Das Leiden der Lämmer In Deutschland werden knapp 1,57 Millionen Schafe gehalten, was im Vergleich zum größten Wollexportland Australien mit 74 Millionen Schafen sehr wenig ist. Die meisten deutschen Schafe leben in Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein. (6) Aufgrund der seit Jahrzehnten rückläufigen Preise für Rohwolle ist in Deutschland lediglich der Markt für Lammfleisch lukrativ, und somit werden die meisten Schafe bereits im Kindesalter geschlachtet. 2013 wurde hierzulande 884.000 Lämmern im Schlachthof die Kehle durchgeschnitten. (7) Die Mütter der Tierkinder erwartet das gleiche Schicksal, sobald ihre Wollqualität oder Fruchtbarkeit nach rund fünf Jahren nachlässt.

Bei Herden oder Schäfereien mit tausenden Tieren mangelt es zudem systematisch an der ausreichenden Versorgung einzelner Tiere. Die Todesraten bei Schafen sind teilweise extrem hoch und können bis zu 72 Prozent betragen. Zehntausende neugeborene Lämmer in Deutschland sterben aufgrund von problematischen Geburten und anschließender mangelhafter Versorgung. Je nach Schafrasse, Haltungsform und Region betragen die Verlustraten bei Lämmern in Deutschland zwischen 6-13 Prozent, vielfach liegen sie auch darüber. (8, 9)

Diesen realen Anblick des Grauens erlebten PETA-Ermittler bei einer Recherche in einem typischen Schafstall in Deutschland. Dutzende toter Lämmer stapelten sich in der Kadavertonne. Im Stall lagen die Tiere in ihrem eigenen Kot. Humpelnd schleppten sich mehrere Schafe zum Futter, ohne dass der Bauer die offensichtliche Verletzung behandelte. Angesicht der hohen Tierarzt- und Medikamentenkosten lohnt sich für Großbetriebe die individuelle Behandlung von kranken oder verletzten Schafen zumeist nicht. Auch auf Koppeln und Wiesen sind häufig kranke und tote Lämmer zu sehen, die mangels individueller Fürsorge gestorben sind. Diese schockierenden Bilder finden sich selbstverständlich nicht in den Prospekten der Wollindustrie.

 

Was Sie tun können
Heute bietet der Handel eine Fülle an ausgezeichneten tierleidfreien Alternativen zu Wolle, wie beispielsweise atmungsaktives Tencel, pflegeleichtes Polyestervlies, synthetisches Shearling, Sisal, Bambus, Baumwollflanell, Viskose, Acryl und Sojaseide. Prüfen Sie die Etiketten in Modegeschäften und Strickwarenläden gezielt nach diesen tierfreundlichen Materialien und fragen Sie regelmäßig aktiv bei Herstellern und Händlern konkret nach diesen Produkten.

 

Quellen
  1. Sezgin, Hilal 2014: „Blutige Wolle“, Süddeutsche Zeitung, Ausgabe vom 14.07.2014.
  2. Stahl, Volker Garbers: „Vom rohen Gesellen zur Rohkost“ Hamburger Abendblatt Online. http://www.abendblatt.de/hamburg/harburg/article965819/Vom-rohen-Gesellen-zur-Rohkost.html (abgerufen 04.08.2014)
  3. Sezgin (ebd.)
  4. Lenk, Joachim 2014: „Wenig Geld für viel Wolle“ Alb Bote vom 12.07.2014. http://www.swp.de/muensingen/lokales/muensingen/Wenig-Geld-fuer-viel-Wolle;art5701,2699085
  5. Verein Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL) 2012, Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner vom 05.04.2012. http://www.schafzucht-online.de/Schafwolle-VDL-kritisiert-die-Gesetze-zum-Umgang-mit-Wolle,QUlEPTMyNzQ5MzEmTUlEPTQ4MA.html (abgerufen 05.08.2014)
  6. DESTATIS: „Viehbestand“, Fachserie 3 Reihe 4, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, 2014.
  7. DESTATIS: „Fleischproduktion im Jahr 2013 leicht gestiegen“, Wiesbaden, 2014. https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2014/02/PD14_039_413.html (abgerufen 04.08.2014)
  8. Weiß, Jürgen; Pabst, Wilhelm, Strack, Karl E. & Granz, Susanne, 2005: „Tierproduktion“, MVS Medizinverlage Stuttgart; 13. überarbeitete Auflage.
  9. Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, 2012: „Tierzuchtzahlen“, Schleswig-Holstein, Rendsburg.

 

Titelfoto: (c) We Animals, Jo McArthur, www.weanimals.org

 

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