Für Tierfreunde im besten Alter

Wie ich verlernte, Tiere zu essen

Wenn ich ehrlich bin, brauchte ich dazu zwei Anläufe. Mein erster wurde am Mittagstisch meiner Eltern geboren als ich 15 Jahre alt war. Das Mittagessen war – neben den Beilagen – ein Hase. Dazu muss ich erklären, dass wenige Monate vorher mein Kaninchen gestorben war und es mir bizarr und falsch vorkam, einen Artverwandten zu verspeisen. Der Gedanke, kein Fleisch mehr zu essen, war eher spontan gekommen. Durchgehalten habe ich die Abstinenz für ganze drei Jahre. Irgendwann mit 18 bin ich dann wieder “rückfällig” geworden.

Die Gänse genießen die grüne WIese. Foto: (c) Istockphoto.com-audaxl_

Die Gänse genießen die grüne WIese. Foto: (c) Istockphoto.com-audaxl_

Ich hatte mir aber damals bereits geschworen, dass dieses Thema für mich noch nicht zu Ende war. Ich brauchte eben meine Zeit, da ich (zu meiner Schande) gestehen musste, dass mir Fleisch damals schon sehr gut geschmeckt hat.

Dann gab es eine Zeit in den späteren 90ern, in der für mein Gefühl unglaublich viele Reportagen und Berichterstattungen im Fernsehen gezeigt wurden, die – neben vielen anderen unsäglichen Leiden, die den Tieren durch Menschen zugefügt wurden – Mastbetriebe, Tiertransporte mit sadistischen Vorgehensweisen der Transporteure und Schlachtungen dokumentierten. Nach einem besonders widerwärtigen Bericht in Frontal stand mein Entschluss endgültig fest, dass Tiere für meinen Lebensmittelbedarf nicht mehr sterben müssen.

Das ist jetzt mehr als 15 Jahre her. Ich muss sagen, ich vermisse den Fleischkonsum kein bisschen. Es wirkt bekräftigend, wenn man – zusätzlich zum Leid der Tiere – seine Bestätigung auch im sehr legeren Umgang vieler Intensivhaltungen mit Antibiotika oder Sonstigem findet. Wobei der gesundheitliche Aspekt für mich eher sekundär war und ist. In allererster Linie haben es mir die Tiere angetan.

Ich habe außerdem die Möglichkeit des Vergleichs, was das alternative Essensangebot angeht: Sicher, es gab auch in den 80er Jahren schon Tofu-Gerichte, Soja-Pasteten und ähnliches. Aber der Markt damals im Vergleich zu heute ist unglaublich überschaubar gewesen. Sowohl die Anzahl der Hersteller als auch die Produktvielfalt hat deutlich zugelegt. Bei manchem Essen merkt man noch nicht einmal den Unterschied zum “Echten”.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen guten Appetit bei “ent-schuldetem” Essen!

Dieser Beitrag stammt von unserer Gastautorin Kirstin Barringer, vielen Dank dafür!

 

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