Für Tierfreunde im besten Alter

Von Krallen und Strümpfen

Wer wie wir mit einer Katze zusammenlebt, hat wahrscheinlich viele zerlöcherte Kleidungsstücke. Auch die Haut auf meinem Bauch würde jedem katzenunerfahrenen Medizinmenschen Rätsel aufgeben – woher kommen diese seltsamen roten Punkte? Unser Tiger liebt es, auf mir zu liegen und mich hingebungsvoll zu perforieren. Manchmal wundert er sich, dass es unter seiner einen Pfote schön weich ist; unter der anderen, die das Brustbein bearbeitet, fühlt es sich dagegen so hart an. Auch seine Welt ist voller Wunder!

Copyright Sassi auf www.pixelio.de

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In Sachen zerstörter Klamotten hatten frühere Bekannte  ihrem Hund beigebracht, besonders an Frauen nicht hochzuspringen, um keine Nylonstrümpfe zu zerkratzen. Ob es gelungen ist und ob der Hund zwischen Jeans und Nylons differenzieren konnte, weiß ich nicht mehr. In der aktuellen Kolumne von Schrot und Korn ärgert sich der Verfasser zu Recht, dass viele Gegenstände aufs Nicht-lange-Halten programmiert sind – das gilt auch für besagte Strümpfe. Als sie erfunden wurden, konnten sie ewig halten, so heißt es. Eine wirtschaftliche Katastrophe! Also änderte man die Formulierung; das Geschäft blühte.

Als Kind fürchtete ich mich vor den Textilien, die mir als Erwachsener drohten. Was an fleischfarbenen Plastiktüten für weibliche Beine erstrebenswert ist, hat sich mir nie erschlossen. Zum Glück arbeitete die Zeit für mich: Im ersten Jahr auf dem Gymnasium war es noch eine Sensation, als eine Schulfreundin mit Cordhosen kam. Dann wurden Jeans und Parka zu meiner unendlichen Erleichterung salonfähig! Weg mit den Stoffhosen! Und es wurde immer besser: Kleider und Röcke gehen, wenn nicht gerade Sommer ist, schon lange auch mit sehr modischen, sehr ökologisch angebauten und jahrelang lebenden Strümpfen aus Baumwolle. Ein Job, der mir Nylonstrümpfe vorschreiben würde, ginge gar nicht. Wie gut, dass niemand mehr freiwillig damit den Müllberg auffüllen oder die Müllverbrennung füttern muss. Ich glaube nicht, dass viel von dem Zeug recycelt wird.

Zurück zur Katze: Um nicht alle textilen Stücke ihrem Wohlbefinden zu opfern, ziehen wir schonenswerte Sachen eben nicht mehr zu Hause an. Es hat einfach nicht geklappt, Tiger die Unterschiede beizubringen. Er kapiert ja nicht einmal, warum ich als seine Tret-Unterlage mal weich, mal hart bin

Dieser Beitrag stammt von unserer Gastautorin Petra Große-Stoltenberg, vielen Dank dafür!

 

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