Für Tierfreunde im besten Alter

Von Körnerfressern und Veganern

Ende der 1970-er Jahre fing ich als junge Erwachsene an, mich fürs Körnerfressen zu interessieren. Meine Bezugsquelle waren die Reformhäuser, die mich magisch anziehen, seit ich denken kann (ebenso wie Schreibwarenläden!). Einige der Cerealien waren zum Abnehmen und/oder Entschlacken gedacht und dazu in mundgerechte Kurhäppchen aufgeteilt. So ganz langsam kam der Öko-Gedanke dazu, immer mehr Bio-Läden eröffneten, und aus drei grauen Blättchen Schrot & Korn ist eine richtige Zeitschrift geworden!

Glückliches Huhn auf Hof Butenland. Foto: (c)PETA-D

Inzwischen ist die junge Körnerfresserin von damals zu einer mittelalten geworden, hat eine vegane Tochter und einen fleischfressenden Sohn, und alle koexistieren friedlich. Ihr Mann und sie leben vegan-vegetarisch mit dem Ziel, Vollzeit-Veganer zu werden.

Wie schön wäre es, jetzt schon beim ganz normalen Einkauf aus dem Vollen schöpfen zu können. Merkwürdig finde ich auch, dass die Reformhäuser und die Exoten von damals, die Bio-Läden, sich in Sachen Veganertum nicht stärker engagieren. Auch wenn es einige vegane Lebensmittel noch nicht in Bio-Qualität gibt – sich als Ansprechpartner zu qualifizieren ginge doch trotzdem, oder? Wahrscheinlich bin ich wieder mal zu anspruchsvoll. Genau wie Katja.

Meine Freundin erntet in „ihrem“ Bio-Laden im Außenbezirk einer Großstadt, den sie eigentlich heiß und innig liebt (und der in ihrer Umgebung absolut konkurrenzlos ist!) oft noch Blicke, die viele Menschen für bedauernswerte Minderheiten übrig haben. Oder die für unanständige Anliegen vorgesehen sind. Dabei möchte sie einfach nur veganen Käse. Jetzt ist er sogar im Sortiment, wird aber nur ab und an bestellt. Kürzlich war sie vor Enttäuschung mal wieder der Verzweiflung nahe und meinte, da werde sie wohl im Internet gucken müssen. Da waren sie sogar noch froh in dem Laden! Schließlich kam man denn doch noch auf die Idee, Katja ein Stückchen zurückzulegen. Wenn es mein Laden wäre, ich würde Katja sogar anrufen oder mailen. Heureka, dein Käse ist da!

Im Reformhaus interessierte sich Katja für veganen Brotsalat. Die Ladnerin sah sie fragend an – vegan, vegetarisch? Ich dachte, das ist alles Bio?

Ich freue mich über meine Kunden und kanzle sie nicht in Draußen-nur-Kännchen-Manier oder mit Weiß-auch-nicht ab. Das würde ich aber auch dann nicht tun, wenn ich die einzige Texterin auf der Welt wäre.

Eine Hoffnung hege ich: Dank Internet verbreiten sich die Dinge heute schneller als 1978. Auf ein größeres Angebot an veganen Lebens- und sonstigen Mitteln und darauf, dass wir salonfähiger werden als bislang, müssen wir bestimmt nicht so lange warten wie damals auf mehr Bioläden. Venceremos!

Dieser Beitrag stammt von unserer Gastautorin Petra Große-Stoltenberg, vielen Dank dafür!

 

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