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Ein Veganer in Hamburg

Ein Veganer in Hamburg

Hamburg – immer eine Reise wert! PETA50Plus-Gastautor Martin Schempp berichtet uns von seinem letzten Besuch in der Hansestadt und gibt Reiselustigen tolle Tipps mit auf den Weg.

Ein Wochenende in Hamburg? Dafür bin ich immer zu haben. Die alte Hansestadt mit ihrer Kaufmannstradition, ihren roten Backsteingebäuden, lauschigen Kanälen, kleinen Brücken und zurückhaltend-liebenswürdigen Menschen ist mir ans Herz gewachsen. Speicherstadt, Hafen, Elbe, Innen- und Außenalster üben auf mich eine magische Anziehungskraft aus; wie überhaupt alles Hanseatische, ob Architektur oder Mentalität, mich tief beeindruckt. So bin ich sofort Feuer und Flamme, als meine Frau Sylva im Frühjahr dieses Jahres ein Hamburg-Wochenende vorschlägt. Blick auf den Kalender, die Termine passen, Hotel buchen, und ein paar Tage später sitzen wir zusammen mit unseren beiden Papillons Foxy und Jackie im Auto Richtung Norden.

(c) Sylva Harasim

(c) Sylva Harasim

Den ersten Abend nach einer verkehrs- und staureichen Anfahrt verbringen wir in Ruhe auf dem Hotelzimmer. Vertilgen das mitgebrachte Reisgemüse und trinken dazu echten hanseatischen Tee, den das Hotel Crowne Plaza samt Teegeschirr gratis auf dem Zimmer zur Verfügung stellt.

Am nächsten Morgen. Für den ersten Tag steht ein Stadtbummel auf dem Programm. Vorher schnippele ich mir einen leckeren Obstteller, während Sylva ihren Reisemixer anwirft und  aus Früchten und Kastanienmehl einen Smoothie zaubert. Das gängige Hotelfrühstück haben wir nach vielen unbefriedigenden Versuchen irgendwann aufgegeben – außer Obst und Brot ist am Buffet für uns ohnehin nichts dabei. Und dafür je nach Hotel bis zu 25 Euro pro Person zu bezahlen seht in keinem Verhältnis zum Gebotenen.

Ein Spazierweg folgt dem Ufer der Außenalster Richtung Altstadt und gibt wunderschöne Blicke auf das Wasser frei, wo bereits um diese frühe Zeit weiße Segel zu sehen sind. Da der Fußpfad vom parallel verlaufenden Radweg durch eine Baumreihe getrennt ist, stürmen Foxy und Jackie leinenfrei voran. Die beiden finden Hamburg spannend – so viele feuchte Rinnen, dunkle Gassen, modrige Ecken, wohlriechende Bäume und Laternenpfähle. Vorbei am Hotel Vierjahreszeiten, in dessen Tearoom man übrigens einen ausgezeichneten Tee bekommt (die Kuchen sind leider nicht vegan), umrunden wir die Binnenalster. Unter den Alsterarkaden im Arkadencafé ein schneller Espresso, dann weiter zum Rathaus und hinüber zur Kirche St. Michaelis, dem berühmten „Michel“.

(c) Sylva Harasim

(c) Sylva Harasim

Für die Mittagspause nehmen wir die S-Bahn nach Altona und gehen dort vom Bahnhof aus noch eineinhalb Kilometer zu Fuß. Ziel ist das Veganz in der Schützenstraße. Der vegane Supermarkt hat sich im Phoenixhof, einer restaurierten Industrieanlage, niedergelassen und bietet neben einer enormen Auswahl an veganen Lebensmitteln ein Bistro mit kalten und warmen Speisen. Hunde sind willkommen und dürfen, sofern sie in einer Tasche sitzen, sogar mit in den Lebensmittelbereich. Wir fühlen, wie die positive Energie im Veganz sofort auf uns überspringt. Für Sylva und mich gibt es Kirchererbsen- bzw. Quinoasalat, Foxy und Jackie teilen sich einen Gemüsewrap. Zum Nachtisch holen wir uns Rohkostkuchen. „Käse“ und Blaubeer – ein Traum.

(c) Sylva Harasim

(c) Sylva Harasim

Den  Nachmittag verbringen wir in der Speicherstadt, spazieren an Kanälen entlang, schlendern zwischen roten Backsteinfassaden umher und überqueren kleine Brücken. Wo werden wir heute Abend die müden Beine ausruhen? Die Wahl fällt auf das Leaf. Das vegane Restaurant mit dem engagierten Personal und dem gemütlichen Ambiente steht in der Eulenstraße. Hunde? Na klar. Die Karte ist klein, aber fein und wechselt regelmäßig. Unsere Wahl fällt auf Spargelsuppe, Kartoffelravioli mit Pfirsich und Pfifferlingen, zum Nachtisch gibt es Crème brulée. Alles ist frisch, bio, kommt aus der Region und schmeckt außerordentlich. Wir lecken die Lippen – Hamburg kommt gut.

(c) Sylva Harasim

(c) Sylva Harasim

Tag zwei. Frühstück wie gehabt mit Obstteller und Smoothie auf dem Zimmer. Danach fahren wir mit der S-Bahn in den Stadtteil Langenfelde. Dort wartet die eigentliche Attraktion dieses Wochenendes – ein Gottesdienst für Mensch und Tier. Er wird veranstaltet von Pfarrer Holger Janke, dem veganen und tierschützenden Pastor, den PETA bereits 2012 zum tierfreundlichsten Pfarrer Deutschlands gewählt hat. Wir kennen Holger Janke, nur seinen Tiergottesdienst noch nicht. Das soll sich heute ändern. Etwa 50 Menschen und rund 25 Hunde sind vor der Kirche „Zum guten Hirten“ vesrammelt. Die Vierbeiner toben ungestört in dem eingezäunten Gelände umher, schnüffeln, riechen, schnuppern und markieren. Kurz vor elf Uhr gehen Mensch und Tier gemeinsam nach drinnen uns suchen sich ein Plätzchen. Die Vierbeiner je nach Größe auf dem Boden, in einer Tasche oder auf dem Schoß von Herrchen oder Frauchen.

Als Holger Janke vor den Altar tritt, herrscht schlagartig Stille. Die gelöste Atmosphäre geht auf die Hunde über. Und auf die weiße Katze, die neben mir schnurrt. „Bleiben Sie bitte während des Gottesdienstes sitzen“, sagt der Pastor zu Beginn. „Sonst meint Ihr Tier, Sie wollen weiter und wird unruhig.“ Dann sagen wir das Glaubensbekenntnis auf. „Ich glaube an Gott … den guten Hirten für Mensch und Tier.“ Für Mensch und Tier. Darum geht es Holger Janke. „Tiere sind ebenfalls ein Bestandteil der Schöpfung. Weshalb sollen sie nicht mit in die Kirche dürfen?“ Aus den hinteren Reihen bellt es. „Ich werte das als Zustimmung“, kommentiert Janke lachend. Etwa alle sechs Wochen veranstaltet er einen Gottesdienst für Mensch und Tier und beleuchtet dabei das Thema Tier theologisch. Was mehr als nötig ist, denn entgegen des Glaubensbekenntnisses und den jüngsten hoffnungsvollen Äußerungen von Papst Franziskus existiert das Tier für die Kirche quasi nicht. „Noch nicht“, sagt  Holger Janke nach dem Gottesdienst beim vegan-vegetarischen Buffel im Gemeindehaus. „Ich engagiere mich in der Aktion Kirche und Tiere, AKUT, wo wir versuchen, die Kirche zu einer deutlichen Haltung gegenüber Themen wir Tierquälerei oder Massentierhaltung zu bewegen.“

Nachmittags begleitet uns Pfarrer Janke drei Stunden lang auf seinem Lieblingswanderweg vom Stadtteil Blankenese aus an den Ufern der Elbe entlang. Sein Münsterländer-Mix Tölpel, benannt nach dem Hund von Martin Luther, schwimmt und rennt Ästen hinterher, unsere beiden Papillons schließen Freundschaften mit Hamburger Chihuahuas. Den Abschluss der Wanderung bildet eine Runde Eis beim traditionsreichen Eis-Schmidt am Marktplatz von Blankenese. Natürliche Bio-Zutaten, milchfreies Früchteeis, Schokoladeneis auf Soja- und Stracciatellaeis auf Wasser-Basis lassen süße Träume in Erfüllung gehen.

(c) Sylva Harasim

(c) Sylva Harasim

Auf dem Rückweg zum Hotel schauen wir noch bei Grete Schulz in Eimsbüttel vorbei. Inhaberin Jennifer Hinze hat ihren liebenswerten Laden mit Café nach ihrer Großmutter Grete benannt und bietet dort Frühstück, Mittagessen, Kaffee und Kuchen an – alles vegan, äußerst schmackhaft und eine kalorienreiche Sünde wert.

Im Hotelzimmer Beine hoch und gratis Tee. Wir sind gebraten, Hamburg zu Fuß strengt an. Fazit nach einem Wochenende: Die Hansestadt macht es dem Veganer leicht. Beim Googeln stößt man sofort auf eine ganze Handvoll rein veganer sowie vegetarischer Restaurants und Bistros. Pizzerien wie Pizza-Bande und Slim Jim’s (beide in St. Pauli) oder Ciao (in Bramfeld) bieten vegane Pizzen an. Salatbars sind über die ganze Stadt verteilt und machen den Imbiss zwischendurch zum Vergnügen. Ein Wochenende in Hamburg? Dafür bin ich immer zu haben.

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Über Martin Schempp

Er ist Journalist und liebt das Reisen. Zudem ist er überzeugter Veganer und Tierrechtler. Für PETA50Plus berichtet er exklusiv über seine ganz persönlichen veganen Reiseerfahrungen und gibt unseren Lesern wertvolle Geheimtipps mit auf den Weg. Seine vierbeinigen Begleiterinnen “Foxy” und „Jacky“ dürfen zumeist mit auf  gemeinsamen Reisen.

Weitere, spannende Reiseberichte von Martin Schempp finden Sie hier:

PETA50plus.de/ein-veganer-venedig

PETA50plus.de/ein-veganer-an-der-cote-dazur

PETA50plus.de/ein-veganer-in-schottland

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