Für Tierfreunde im besten Alter

Tierleid und die Sache mit der Zivilcourage

Tierleid und die Sache mit der Zivilcourage

Täglich beobachtet man Tierleid, wenn man mit offenen Augen durch den Alltag geht. Doch wer ist beherzt und hilft den schlecht behandelten Tieren? Gastautor Dr. Henri Schlömer hat sich exklusiv für PETA50Plus mit diesem Thema befasst.

Tierleid und die Sache mit der Zivilcourage: Bewundern Sie auch oft den Mut, den Einsatz und die Ausdauer, mit denen manche Menschen Tieren helfen? Freuen Sie sich, wenn Sie von gelungenen Aktionen im Tierschutz erfahren? Können Sie sich mit Menschen identifizieren, die Courage zeigen und sich trotz vieler Widrigkeiten uneigennützig für Tiere einsetzen?

Wie gut, wenn Sie jetzt drei Mal „Ja“ gedacht haben! Jedoch werden solche Menschen nicht durch schicksalhafte Fügung zu „Tierschutzhelden“, sondern durch ihre individuelle bewusste Entscheidung, Tierleid auch im Alltag nicht zu ignorieren oder zu tolerieren. Natürlich können Tierrechtsorganisationen wie PETA Ziele jenseits der Möglichkeiten des Einzelnen erreichen – aber nur auf Basis individuellen Engagements. Insofern bleibt die tägliche Sensibilität des Einzelnen für Tierleid die Voraussetzung, um Tierquälerei zu bekämpfen.

Das ist auch genau der Unterschied zwischen Sympathie und Engagement hinsichtlich des Tierschutzes:
  • Sie bummeln durch die Stadt und kommen an einer Tierhandlung vorbei (schlimm genug!), in deren Schaufenster ein Vogelkäfig steht, der offensichtlich mit Vögeln überfüllt ist. Schütteln Sie nur den Kopf oder melden Sie das den Behörden und/oder PETA?
  • Sie unternehmen einen Sonntagsausflug mit der Familie und sehen Pferde, die auf einer Schlammwiese stehen – ohne Wetterschutz, Wasser und Futter. Ärgern Sie sich nur oder werden Sie aktiv?
  • Sie sehen jemanden, der seinen Hund anschreit oder vielleicht sogar schlägt, ihm Tritte versetzt – und was unternehmen Sie? Ärgern Sie sich nur über den offensichtlichen Tiermissbrauch oder trauen Sie sich, diesen Menschen zur Rede zu stellen oder vielleicht Hilfe anzubieten, falls Sie sich gut mit Hunden auskennen?
  • Sie kennen einen Bauern, der seine Tiere nicht gut hält. Zeigen Sie ihn an und stehen ggf. auch als Zeuge bereit oder würden Sie erwarten, dass dies schon jemand anderes tut oder das Tierleid vielleicht doch nicht so schlimm ist?

Sie sehen, diese Situationen sind so ähnlich, wie achtlos weggeworfenen Müll auf der Straße zu erblicken: Die meisten ärgern sich und gehen weiter; nur die wenigsten bücken sich und entsorgen ihn. Zum Glück ist es manchen Menschen nicht egal, wie unsere Welt ist, und einige sind sogar bereit, Probleme zu bereinigen, für die sie gar nicht verantwortlich sind.

So etwas nennt man Zivilcourage, und diese hat etwas damit zu tun, wie man seine Aufgabe und Verantwortung in der Gesellschaft selbst interpretiert. Beklage ich nur das Elend oder trage ich auch etwas zur Lösung bei? Halte ich anderen ihre Fehler vor oder setze ich mit meinem eigenen Verhalten ein Beispiel? Schaue ich weg und lebe mit meinem schlechten Gewissen oder bin ich bereit, situativ und spontan etwas für Tiere zu tun?

Wir Menschen als Spezies sind sehr selbstbezogen; menschliche Probleme rufen regelmäßig mehr Aufmerksamkeit auf den Plan als Probleme in der Natur und Tierwelt. Daher gehört eine gewisse Sensibilität und Intelligenz dazu, über all dem menschlichen Elend auch ein Tierelend nicht zu übersehen.

Tiere sind Mitgeschöpfe, die sich nicht selbst helfen und nicht für sich sprechen können; das unterscheidet sie grundsätzlich von uns Menschen. Gleichzeitig muss uns dies Verpflichtung sein, auch individuell Verantwortung für das Wohl der Tiere zu übernehmen, wo immer wir Missstände antreffen, statt auf den Einsatz anderer zu hoffen.

Es ist ein wenig so wie mit der unterlassenen Hilfeleistung. Wer einen Notstand entdeckt und nichts tut, ist mitschuldig. Ein intelligentes Mitglied der Gesellschaft weiß das – ein verantwortungsvolles Mitglied tut etwas.

Über den Autor
(c) privat / Henri Schlömer

(c) privat / Henri Schlömer

Dr. Henri Schlömer setzt sich für Tiere ein. Er betrachtet unsere Gesellschaft kritisch und setzt für große Veränderungen auf den Einzelnen. Denn: Wenn alle Menschen sich bewusst für ihr Handeln entscheiden, kann viel verändert werden. Verantwortung liegt bei jedem Menschen, der mündige Bürger engagiert sich und hilft mit, wo Hilfe benötigt wird.

Steckbrief:

Geb.  1959 in Westfalen, Diplom-Ökonom

Verheiratet, keine Kinder, 1 Tierheimhund

Beruf: Privatier, davor 27 Jahre Manager in der Industrie

 

PETA50Plus dankt dem Gastautor für diesen Beitrag!

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