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Stadttauben brauchen unsere Hilfe

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Stadttauben brauchen unsere Hilfe

Vom Friedensboten zum Hassobjekt – Fakten über Stadttauben, die man kennen sollte !

Gastautorin Bettina Schneider über gefiederte Freunde und wie schlecht wir sie behandeln.

Stadttauben brauchen unsere Hilfe: Würde man in unseren Städten Hunde oder Katzen so behandeln, wie wir mit den Stadttauben verfahren, gäbe es empörte Proteste unter den Tierfreunden. Seltsamerweise registriert kaum jemand, dass jeden Tag unzählige dieser Vögel vor unseren Augen ums Überleben kämpfen.

Niemand stört sich daran, dass sie auf behördliche Anordnung elend verhungern, dass sie wie Ungeziefer von jedem verscheucht und gejagt  werden dürfen, geschwächte, abgemagerte Tiere, zum Teil mit grauenhaften Verletzungen und verkrüppelten Beinen, …und alle verzweifelt auf der Suche nach etwas Futter.

Tauben sind keine Wildtiere, ein Fütterungsverbot ist daher Tierquälerei

Wie Hunde und Katzen sind Stadttauben Haustiere oder deren Nachkommen. Sie wurden einst von Menschen gezüchtet, es sind verirrte oder erschöpfte Brieftauben, ausgesetzt, sich selbst überlassen und ohne den Mensch nicht überlebensfähig.

Tauben werden gern als Ungeziefer oder Plage bezeichnet, kämpfen sich meist durch ein viel zu kurzes Leben, das einzig von Angst, Hunger und Schmerzen geprägt ist; denn in den meisten Städten herrscht striktes Fütterungsverbot, eine Maßnahme, die nicht nur äußerst grausam ist sondern auch  kontraproduktiv.

Etwa 40 g Futter am Tag benötigt eine ausgewachsene Taube zum Überleben. Viele Stunden sind sie täglich zu Fuß unterwegs, um etwas Nahrung zu finden. Dabei verfangen sich am Boden liegende Schnüre,Fäden, Plastikteile oder Haare an ihren Füßen und verschnüren sich dort, bis die Zehen abgestorben sind.

Ein monatelanger und sehr schmerzhafter Leidensweg. Tauben überleben in unseren Städten unter diesen erbärmlichen Lebensbedingungen selten länger als 2 Jahre,  obwohl sie 12 – 15 Jahren natürliche Lebenserwartung hätten.

Tauben sind keine Müllschlucker
Das Gefieder von Tauben ist wunderschön gezeichnet. Foto: (c) PETA

Das Gefieder von Tauben ist wunderschön gezeichnet. Foto: (c) PETA

Artgerechte Nahrung für diese Vögel  besteht nicht aus Essensresten sondern sie sind Körnerfresser. In unseren Innenstädten finden sie nicht einmal einen  Bruchteil der benötigten Menge, also fressen sie  hungrig alles, was als Abfall auf den Strassen landet und weil das meiste davon nicht bekömmlich ist, quittiert das Tier diese nicht artgerechte Nahrung mit dem sogenannten Hungerkot, den es in großen, flüssigen Klecksen absondert. Erhalten Tauben artgerechtes Futter setzen sie Kot in kleinen, festen Häufchen ab.

Entgegen der landläufigen Meinung, greift dieser steinartige Strukturen nicht an (Prüfbericht Techn. Universität Darmstadt, 2004).  Taubenkot ist zwar lästig aber zerstört nicht die Oberflächenstrukturen von Bausubstanzen wie Beton, Sandstein, Klinker, Ziegel oder Nadelholz. Es mutet fast ironisch an, wenn das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hierzu feststellt :

Weitaus gravierender sind die “indirekten Schädigungen” (an den Gebäuden). Aufgeführt werden dann Schäden, die erst durch Taubenabwehr entstehen, “Bohrungen für Taubenstifte, Taubennetze etc.

Der Ornithologe Prof. Dr. Jürgen Nicolai, rechnet totale Fütterungsverbote für Stadttauben sogar den Tötungsmethoden zu. Weil sie Tiere dem langsamen Hungertod ausliefern, stellen sie als Tierquälerei einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar, denn : “Durch die Jahrhunderte lange Bindung an den Menschen und seine Städte sind Stadttauben in ihrem Nahrungserwerb völlig auf den Menschen angewiesen”.

In der Stadt findet sich für die hungrigen Vögel so gut wie kein natürliches Futterangebot, schon gar nicht im Winter.  Der angebliche Zusammenhang von hohem Nahrungsangebot und erhöhter Vermehrung, der von den Behörden und Taubenfeinden immer wieder als ein Grund für Fütterungsverbote angegeben wird, gilt einzig für Wildtiere. Diese können ihren Nachwuchs nach Nahrungsangebot steuern. Stadttauben  brüten unabhängig von Jahreszeit und Nahrungsangebot. Ein Basler Tierversuch ergab sogar, dass hungernde Stadttauben mehr brüten als ausreichend ernährte .

Hartnäckig haftet den Tieren auch das falsche Image des “gefährlichen Krankheitsüberträgers” an. Fakt ist, dass grundsätzlich alle Lebewesen Krankheiten übertragen können, das Risiko einer Ansteckung für den Menschen ist jedoch  weitaus geringer als als oft in den Medien verbreitet wird. Die im Taubenkot nachgewiesenen und oft zitierten Salmonellen-Erreger beispielsweise,  sind rein tierartspezifisch und auf den Menschen so gut wie nicht übertragbar.  Die Einstufung der Taube als “Schädling” (Bundesseuchengesetz 1966) wurde bereits 1989 aufgrund neuer Forschungsergebnisse zurückgenommen.

Grausame Methoden der Taubenabwehr und Tötung

Beliebte Taubenabschreckungen, wie Spikes, Dornen, Klebepasten, Glasscherben, Stromdrähte, Netze und Spanndrähte, sollen Tauben am Ruhen oder Nisten hindern. Da es in den Innenstädten kaum noch geeignete Nist- und Ruheplätze für die Tiere gibt, bleibt den Tauben oft keine andere Wahl, als trotzdem zu brüten und zu ruhen, wo diese Vorrichtungen angebracht wurden. Besonders Jungtauben ziehen sich an den messerscharfen Abwehrvorrichtungen schwerste Verletzungen und Verstümmelungen zu.

Mit klaffenden Wunden , auf dem Bauch kriechend oder hinkend, oft nur noch mit einem Beinstumpf,  quälen diese Tauben sich dann durch den täglichen Kampf um Überleben und Futter. Zusätzlich verätzt im Winter das überall ausgebrachte  Streusalz schon bei kleinsten Entzündungen die empfindlichen Füsse wie Salzsäure.

Nach wie vor versuchen viele Städte die Tiere durch Massentötungen zu reduzieren oder komplett auszurotten. Eine zu recht oft scharf kritisierte Vorgehensweise.

Die  Tauben werden vergiftet,  abgeschossen, ausgehungert oder zur  “fachgerechten” Tötung (Spritze, Köpfen, Kopfabriss oder Genickbruch)  eingefangen.  Letzteres geschieht mit Netzen oder Käfigen (beispielsweise auf hohen Flachdächern), wo die Tiere mit Futter angelockt werden.  Zurück bleiben verwaiste, hilflose Jungtiere, die verhungern oder erfrieren.

Selbst wenn nur ein Elternteil stirbt, haben Jungtiere keine Chance zu überleben, da für die Brutpflege beide Elternteile unentbehrlich sind. Nachweislich verringern diese Tötungsaktionen die Populationen stets nur für kurze Zeit. Verwaiste Brut- und Schlafplätze werden von “frischen”,  zugeflogenen Tauben wieder neu besetzt.

Es geht auch anders
Tauben verdienen ein friedliches Leben. Foto: (c) PETA

Tauben verdienen ein friedliches Leben. Foto: (c) PETA

Doch es geht es auch anders ! Wie man tierschutzgerecht handelt und trotzdem den Bestand erfolgreich reduziert, demonstrieren bereits einige Städte, wie Augsburg, Aachen, Witten, Karlsruhe, Stuttgart, Erlangen, Wuppertal oder Esslingen…und die Liste wächst beständig.

Bürger, Kommunen, Tierschutz und Medien arbeiten dort Hand in Hand.

In eigens eingerichteten und von ehrenamtlichen Helfern betreuten Taubenschlägen können die Stadttauben gezielt angesiedelt und deren Vermehrung  kontrolliert  werden.

Wenn Taubenschläge zur Verfügung stehen, ziehen die Vögel dorthin um.  Zusätzlich werden die übrigen Nistplätze unzugänglich gemacht und das Futterangebot an anderen Plätzen reduziert.  Durch regelmäßige Fütterung werden die Tauben an diese Standorte gewöhnt und gebunden.

Diese kontrollierte Fütterung bewirkt, dass die Tauben nicht mehr gezwungen sind, in den Innenstädten nach Futter zu suchen und zu betteln, ihr Allgemeinzustand sich deutlich verbessert und Krankheiten seltener auftreten.  Außerhalb der Taubenschläge wird das  Fütterungsverbot streng eingehalten. Tauben, die nun einen Heimatschlag haben, setzen  auch dort ihren Kot ab, der dann von  freiwilligen Betreuern regelmäßig entfernt wird.  Auch die tier(schutz)gerechte Populationsverringerung ist durch diese Taubenhäuser möglich. Man tauscht die Taubeneier einfach gegen Gipseier aus.

Eine Vorgehensweise, die hoffentlich noch viele Nachahmer findet,  wenn immer mehr Tierschützer dem Leid der  Stadttauben eine Stimme verleihen . Diese hochintelligenten, sozialen und liebenswerten Tiere hätten es verdient!

Für Interessierte, es gibt eine Gruppe auf Facebook, die sich für die Stadttauben engagiert. : Stadttauben sind KEIN Ungeziefer

Wir danken unserer Gastautorin für diesen schönen Artikel.

Über Bettina Marie Schneider: Die ehemalige Flugbegleiterin ist 53 Jahre alt und konnte sich durch ihren Beruf ein Bild über die Lebensbedingungen von Tieren in der Welt machen. Viel Leid und Elend ist ihr dabei begegnet. Heute schreibt die engagierte Tierschützerin in ihrem eigenen Blog „Gutes-Karma-to-go“ über die facettenreichen Themen des Lebens. Darüber hinaus bloggt sie für die Huffington Post und beim Schweizer Magazin 50+.

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5 Comments

  • Liebe Bettina Marie Schneider & liebe Team-Mitwirkendes von PETA, zwei Personen als erste LeserInnen – vegan lebend und sich für Tauben, Tiere bzw. Natur, Tier, Mensch einsetzend – hat dieser Artikel schon einmal sehr gefreut. Wir finden, er hat eine wunderbare Energie, „rund“: liebe-, achtungs-, respektvoll, ohne Funktionalisieren von Tauben – „go for good karma“ eben… 😉 – Zustimmung. Der Artikel ist meines u. unseres Erachtens klar und schön geschrieben und zum Verteilen, auch in Nachbarschaften, an Ämter u.w. z.B. zum Mehr-Verständnis-Erhalten. Dank. Gern wird der Artiikel auch auf Deinem Blog nochmal kommentiert. Es freut hier sehr, dass PETA ihn für die Seite übernimmt. Ich werde ihn auch hier an Land, Stadt und die Vertreter schicken, zum Unterstreichen dessen, was versucht wird – betreute Futterplätze, betreute Häuser für Tauben erreichen zu wollen, bisher eher mit Ablehnung betreuter Häuser u. Schweigen noch zu Futterplätzen. Ich danke Dir übrigens, dass Du nicht negativ beladene Worte eingesetzt hast, die Funktionalität von Tauben implizieren würde wie „Lieferant von …“ (Ausnutz-Implikation) u.w. Ich finde es wichtig, da das Bewusstsein der Menschen es m.E. viel besser aufnimmt und umsetzt, neutrale oder positiv-bestärkende Worte zu wählen, diese Bitte richte ich ab und zu auch an einige Stadttauben-Hilfen und Tauben-Freunde. Sei herzlich willkommen, wenn Du magst, auch hier, habe den Artikel in meine Gruppe zu Tauben („Herz f. alle – Tauben in Städten u.w. – Bitte mit Anliegen, das Ansehen der Tauben durch Darstellen ihres m.E. an sich wunderbaren Charakters, ihrer Seele, unter Einbeziehung telepath. Wahrnehmung, Kommunikation & Hilfsart heben zu wollen u. mehr Hilfe für Tauben in Kiel & Umgebung erreichen zu wollen) gegeben u. als Teil eines kl. HIlfssystems f. Natur, Tier u. Mensch (deutsch u. englischsprachig zum grössten Teil). Möchtest Du den Artikel übersetzen in mehrere Sprachen? Englisch, arabisch… Wäre wunderbar. Wenn er z.B. Firmen wie „No Paloma International GmbH“, Christine Schüren, Initiatorin & Leiterin des (gemeinnützig orientierten) Sonnenau-Frühauf-Institut zur Förderung & Erforschung von Ganzheitsentwicklung der Gesellschaft & des Einzelnen („für ganzheitliche gesellschaftliche Höherentwicklung & so für unsere Mitwelt mit Natur, Tier & Mensch“, Kiel (sensitive Heilerin, Dipl.Soz.Päd. & -Soz.Arb. (FH), Seminarleiterin, Autorin, Justizang.) – Anm.: Dies soll nicht etwa „Schleichwerbung“ sein, ich möchte den Kommentar einfach als „ganze Person“ hineinstellen im Interesse von Dank & Achtung, falls etwas stören sollte und als überflüsssig oder kontraproduktiv etwa angesehen werden mag, nehmen Sie es bitte heraus und lassen jenes stehen, das hier bejaht werden kann. Dank & alles Beste für alle Tauben und ihnen helfende Personen, zum Weiterfinden hilfsbereiter Personen und Segen für diese & mit dieser, wie ich finde, wunderbaren Autorin, die ihr Herz in Wärme auf dem „rechten Fleck“ zu haben scheint.

  • Manuela Wild sagt:

    Endlich mal ein Bericht der vielen die Augen öffnen müsste.
    So unendlich qualvolles Leid erfahren diese Tauben und es muss ebenso in der menschlichen Verantwortung sein das diesen Tieren geholfen wird und es gäbe so einfache Hilfsmöglichkeiten wie im Bericht erwähnt mit Taubenschläge.
    Man kann nur an jeden Einzelnen appellieren ,bitte helft und unterstützt Taubenprojekte!!

    Danke Bettina Marie Schneider für diesen aufklärenden Bericht!

    Mit freundlichen Grüßen
    Manuela Wild

  • Ein fabelhafter und ausgezeichneter Artikel! Besten Dank an die Gastautorin Bettina Schneider und herzlichen Dank an PETA für die Verbreitung! – Ich kämpfte schon vor 19 Jahren, gegen das bestehende Fütterungsverbot, mit hohen Geldstrafen! Ohne Alternativen, wie betreute Schläge und kontrollierte Futterplätze anzubieten, verstösst es gegen das Tierschutzgesetz! Fütterungsverbote greifen und verletzen empathisches Empfinden und schränken das persönliche Rechts- und Freiheitsempfinden ein!
    Die Stadt Tauben werden schlecht behandelt! Wer sich ihrer annimmt, wird denunziert, verfolgt, kriminalisiert und bestraft! – Beweist mir das Gegenteil!- Das Fütterungsverbot muß weg!!!

  • Gerlinde Brautzsch sagt:

    Können Sie mir den guten Artikel über die Stadttauben zumailen oder zusenden?. ich bekomme ihn nicht aus dem PC heraus.
    Danke!!!!

  • Sylvia Schneider sagt:

    Ich bin begeistert über den Artikel, aber das Umfeld, welches sowas lesen wird, ist einfach klein, um alle zu erreichen. Die Medien müssen einbezogen werden, DRINGEND! Sonst verpufft dieser, unser guter Wille!

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