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Der Regenwurm – stark und faszinierend

Der Regenwurm – stark und faszinierend

„Ich bin eines der stärksten Tiere der Welt… Schade, dass es kaum jemand weiß!“ sagt der Regenwurm.

Die PETA50Plus-Gastautorin Bettina Marie Schneider hat sich intensiv mit Regenwürmern beschäftigt und dabei ganz erstaunliche Dinge heraus gefunden. Die Faszination über die Tiere vermittelt sie uns in diesem Artikel. Es ist an der Zeit, dass der Regenwurm nun endlich einmal selbst zu Wort kommt – absolut lesenswert!

Wir danken ihr für diesen schönen Text.

Über Regenwürmer

Nein, ich habe nicht geprahlt! Gemessen an meiner Körpergröße bin ich tatsächlich eines der stärkste Tier der Erde! Bei meiner Hauptbeschäftigung, dem Graben, stemme ich das 50 – 60 -fache meines eigenen Körpergewichts. Meistens wird mein Anblick mit einem verächtlichen „iihhh“ quittiert, dabei wäre ein bewunderndes „oohhh“  viel angebrachter.

Aber ehe ich noch ein wenig mehr über mich erzähle, würde ich mich gerne vorstellen. Ich bin ein Regenwurm, oder vornehm ausgedrückt, ein Lumbricus terrestris.

Am wohlsten fühle ich mich in Wiesen und Gärten und einen besseren Untermieter im Garten als mich, kann man sich eigentlich nicht wünschen!

Öko-Ingenieur, perfekter Dünger und Gärtnergehilfe

Ich erledige die lästigen Umgrabearbeiten, bis zu drei Meter tief in die Erde, kompostiere altes Laub und dünge mit meinem nährstoffreichen Kot den Garten. Ich belüfte den Boden und schichte Nährstoffe von unten nach oben um. Durch meine vielen Regenwurm-Gänge kann sich keine Nässe stauen sondern die Erde saugt den Regen auf. Alles wächst und gedeiht leichter, wo ich am Werk bin.

Essen und Graben sind  meine große Leidenschaft! Genau genommen grabe und esse ich eigentlich ununterbrochen! Jeden Tag fast die Hälfte meines Eigengewichts. Bis zu 20 Blätter ziehe ich jede Nacht in meine Gänge und klebe sie mit meinem Schleim fest. Ich besitze keine Zähne, daher warte ich, bis Pilze und Bakterien die Pflanzenteile mundgerecht für mich vorbereitet haben. Sobald die Pflanzenteile verrottet sind, kann ich den Brei mühelos aufnehmen und verdauen. Dabei nehme ich auch immer größere Mengen Erde mit auf. In meinem Darm wird alles mit Pilzen und Bakterien vermischt. Regenwurmhäufchen sind daher der beste und nährstoffreichste Dünger für jeden Garten!

Genial angepasst!

Mein Körperbau ist für all diese verantwortungsvollen Aufgaben perfekt angepasst.
Stellt ihn euch wie einen etwa 12 -30 cm langen, elastischen Schlauch vor, der mit Wasser gefüllt ist und dabei von Längs- und Ringmuskeln gestützt wird.

Ich besitze zwar keine Augen aber ich kann hell und dunkel unterscheiden. Lichtempfindliche Zellen, die über meinen gesamten Körper verteilt sind, leiten diese Info an mein Gehirn weiter.

Zur Fortbewegung benötige ich keinen überflüssigen Schnickschnack, wie Beine, Flossen oder Flügel. Ziehen sich meine Ringmuskeln zusammen, werde ich  dünn und lang. Aktiviere ich die Längsmuskeln werde ich dick und kurz. Das abwechselnde Strecken und Zusammenziehen meiner Körperabschnitte bringt mich vorwärts und die kurzen Borstenpaare an jedem Segment verhindern, dass ich dabei wieder zurück rutsche. Die Borsten sind bei allen Grabearbeiten äußerst praktisch, ich kann sie sogar wie Spikes in den Boden stemmen.

Viele Menschen glauben übrigens tatsächlich noch, dass sich aus einem in der Mitte getrennten Regenwurm, zwei neue entwickeln würden. Aber wenn das stimmen würde, müsste ein Teil des Wurms dann mit seinem Hinterteil essen. Das ist also Unsinn! Nur das Ende mit den lebenswichtigen Organen lebt weiter, und kann nachwachsen. Aber auch das funktioniert nur selten, denn ein verletzter Regenwurm wird meist Opfer von Bakterien und Pilzen.

Der Regenwurm liebt es feucht und dunkel!

Sonne und Trockenheit sind meine größten Feinde. Das hat mit meiner Atmung zu tun. Ich brauche immer einen bestimmten Feuchtigkeitsgehalt, denn die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlenstoffdioxid erfolgen bei mir durch die dünne, immer etwas feuchte und schleimige Haut. Ich bin nämlich ein Hautatmer!
Sonneneinstrahlung trocknet meine Haut aus und die Atemluft kann sie nicht mehr passieren. Ich würde qualvoll ersticken. Daher meide ich den Tag und die Sonne und fühle mich in feuchten Böden am wohlsten.

Da meine Art so aktiv und fleißig ist, nannte man uns im 16. Jahrhundert „reger Wurm“. Warum man später daraus „Regenwurm“ gemacht hat, kann ich leider nicht sagen. Vielleicht weil wir bei Regen an die Erdoberfläche kommen. Wir ertrinken aber nicht gleich. Die Natur hat es so eingerichtet, dass ich notfalls auch in Böden überleben kann, die sehr lange überschwemmt sind, aber Regen irritiert und es ist die beste Art, mich außer der Zeit an die Oberfläche zu locken. Das tue ich sonst meist nur in der Nacht, da UV Licht mich umbringt, wenn es nicht eine hungrige Amsel tut, denn ich bin nicht nur begnadeter Gärtner sondern auch ein äußerst beliebtes Nahrungsmittel in der Tierwelt. Falle ich keinem dieser Unfälle zum Opfer, kann ich etwa zwei Jahre alt werden, aber auch deutlich älter.

Wir sind viele – und das ist gut so!

Praktischerweise besitzen wir Regenwürmer sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Trotzdem müssen sich immer zwei Tiere paaren, denn wir begatten uns wechselseitig. Wir sind sehr vermehrungsfreudig und wir sind viele! Man schätzt, in jedem qm Boden leben etwa hundert Regenwürmer. Genau hat es noch niemand nachgezählt, es gibt einiges, was die Menschen noch nicht so genau über uns wissen. Unter anderem, wie viele wie wirklich sind.

Aber je mehr es von uns gibt, desto besser! Wir sind nicht nur stark sondern wahre Ökosystem-Ingenieure und leisten einen wertvollen Beitrag für die Landwirtschaft, ja für alle Pflanzen auf diesem Planeten. Dumm, dass das kaum jemand zu schätzen weiß!

Falls du nach dem nächsten Regen einen Wurm siehst, der gerade hilflos austrocknet, dann nimm ihn einfach und bringe ihn wieder an einen Ort, wo er zurück in die schützende Erde kann.

Wir lieben Bio und Vielfalt!

Bitte lasst die Finger von den Pestiziden im Garten und auf den Feldern! Schon einmalige Anwendung kann mich umbringen. Die moderne Landwirtschaft bekommt uns nicht besonders gut! Ammoniak, in der Düngung mit Gülle, verätzt uns. Die intensive maschinelle Bodenbearbeitung zerstückelt uns und das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat vermindert unsere Fortpflanzung! Auch Monokulturen bedeuten für uns eine erschwerte Lebensgrundlage, denn werden die Äcker gesäubert, verhungern wir Würmer.

Mehr als die Hälfte der insgesamt 46 Wurmarten, die es in Deutschland gibt, werden bereits als „selten“ oder sogar „extrem selten“ eingestuft. Zum Teil ist unsere Anzahl bereits unter 30 Tiere pro Quadratmeter gesunken! Der Durchschnitt lag einmal bei rund 120 Exemplaren.

Über Bettina Marie Schneider

(c) privat / Bettina Marie Schneider

Die ehemalige Flugbegleiterin ist 54 Jahre alt und konnte sich durch ihren Beruf ein Bild über die Lebensbedingungen von Tieren in der Welt machen. Viel Leid und Elend ist ihr dabei begegnet. Heute schreibt die engagierte Tierschützerin in ihrem eigenen Blog „Gutes-Karma-to-go“ über die facettenreichen Themen des Lebens. Darüber hinaus bloggt sie für die Huffington Post und beim Schweizer Magazin 50+.

Doch sie tut noch mehr, sie packt an und hilft syrischen Flüchtlingen, ihren Familien und ihren Tieren. Mit dem von ihr gegründeten Verein: “Frieden für Pfoten – Peace4Paws“ hilft sie, wo immer es möglich ist – Danke Bettina!

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