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Psychopharmaka-Geständnis im Zoo Wuppertal

Psychopharmaka-Geständnis im Zoo Wuppertal

PETA fordert die deutschen Zoos auf, ihre Medikamentengaben an die Tiere ebenfalls offen zu legen.

Nun ist es offiziell, das Psychopharmaka-Geständnis im Zoo Wuppertal gibt zu, dass zahlreiche Tiere medikamentös ruhig gestellt werden: Der Zoo Wuppertal sah sich im Mai diesen Jahres in Folge von Presseveröffentlichungen gezwungen, die vor einigen Jahren erfolgte Verabreichung von Psychopharmaka an den Schimpansen Epulu einzugestehen.

Jetzt hat der Zoo auf seiner Internetseite weitere Protokolle über die Gabe solcher Medikamente offen gelegt. Laut Zoo-Verantwortlichen würden die Arzneimittel lediglich im Rahmen von tierärztlichen Untersuchungen, Eingriffen oder Transporten eingesetzt. Entgegen dieser Behauptung finden sich in den Protokollen jedoch auch Fälle, bei denen Verhaltensstörungen wie Stereotypien (Eisbär), Selbstverstümmelungen (Gorillas, Klammeraffe) oder aggressives Verhalten gegenüber Artgenossen (Löwe) durch einen teils längeren Einsatz von Psychopharmaka unterdrückt wurden.

PETA übt scharfe Kritik

PETA Deutschland e.V. übt scharfe Kritik an der offensichtlich gängigen Praxis im Zoo Wuppertal, verhaltensgestörte Tiere mit solchen Medikamenten ruhig zu stellen, anstatt die Gehege zu verbessern und die anspruchsvolle Sozialstruktur zu berücksichtigen. Die Tierrechtsorganisation fordert nun alle Zoos in Deutschland auf, die Verabreichung von Psychopharmaka ebenfalls offen zu legen. Für Tierarten wie Eisbären oder Menschenaffen, die in Gefangenschaft systembedingt Verhaltensstörungen entwickeln, muss anschließend unter Federführung des zuständigen Bundesagrarministeriums offen über ein grundsätzliches Haltungsverbot diskutiert werden.

Der PETA-Wildtier-Experte zum Thema

„Im Zoo Wuppertal werden Psychopharmaka dazu benutzt, verhaltensgestörte Tiere an die mangelhaften Gehege ‚anzupassen‘“, so Diplom-Zoologe Peter Höffken, Wildtierexperte bei PETA Deutschland e.V. „Dass der Zoo jetzt immer noch behauptet, es würden keine solchen Medikamente zur Kaschierung von Verhaltensstörungen eingesetzt, sehen wir als schamlose Täuschung der Öffentlichkeit. Dabei dürfte es sich bei diesem Fall nur um die Spitze des Eisbergs handeln. Auch andere Zoos stehen im Verdacht, Psychopharmaka gegen Verhaltensstörungen einzusetzen.“

Details zu den verabreichten Medikamenten

Laut den vom Zoo Wuppertal veröffentlichten Protokollen, die PETA tierärztlich auswerten ließ, erhielt die sichtlich verhaltensgestörte Eisbärin Vilma zwischen dem 13. und dem 29. Januar 2011 sowie zwischen dem 27. Juni und dem 26. Oktober 2012 regelmäßig Psychopharmaka wie Diazepam und Perphenazin. Die Diagnose lautete Unruhe, Nervosität und Stereotypien. Die Flachland-Gorilladame Roseli wurde zwischen dem 25. Oktober 2013 bis zum 14. Juni 2014 offenbar wiederholt mit Diazepam und auch Lorazepam behandelt. Dies erfolgte zum Teil im Rahmen der medikamentösen Narkosevorbereitung, aber teilweise auch ausschließlich aus dem Grund, Selbstverletzungen im Bereich der Beine zu verhindern. Löwe Shawano zeigte seit dem Zusammenführen der Gruppe aggressives Verhalten den anderen Tieren gegenüber. Er wurde deswegen von Mitte Mai bis Ende Oktober 2009 regelmäßig mit Diazepam behandelt. Die Schwarze Klammeraffendame Anja wurde 2005 zwei Mal im Zusammenhang mit aufgetretenen Selbstverstümmelungen am Bein mit Perphenazin behandelt, ein Medikament zur Behandlung von Psychosen. Flachland-Gorilla Vimoto, der sich regelmäßig Selbstverstümmelungen an den Händen zufügt, wurde im August 2013 über mehrere Tage mit Diazepam als Appetitanreger und wegen weiterer Gründe behandelt, die nicht näher definiert wurden.

Artgerecht ist nur die Freiheit

In Zoos leben Tiere in viel zu kleinen Gehegen oder Käfigen, ohne Beschäftigungsmöglichkeiten und genügend Auslauffläche. Während viele von ihnen in freier Natur täglich kilometerlange Strecken zurücklegen, laufen sie in Gefangenschaft stundenlang im Kreis oder liegen apathisch herum. Viele der Tiere entwickeln durch die mangelhaften Bedingungen schwere Verhaltensstörungen. Besucher lernen in Zoos daher nichts über die natürlichen Bedürfnisse und Lebensverhältnisse von Tieren in Freiheit.

PETA setzt sich grundsätzlich für ein Haltungsverbot von exotischen Tieren in Gefangenschaft ein und appelliert an die Menschen, keine Zoos zu besuchen.

Weitere Informationen:
PETA.de/Zoo
PETA.de/Schimpansen_Wuppertal
Zoo-Wuppertal.de/wir-informieren.html

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