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Im Gespräch mit einer PETA-Ermittlerin

Im Gespräch mit einer PETA-Ermittlerin

PETAs Augustus Club ermöglicht u.a. die Arbeit hinter den Kulissen, bei den Recherchen der Tierrechtsorganisation: Im Gespräch mit einer PETA-Ermittlerin über ihren Beruf

Um ihre Identität zu wahren, werden wir Bs ganzen Namen nicht abdrucken. Sie ist ein hochgeschätztes Mitglied in PETAs Team und doch haben die meisten anderen Mitarbeiter/-innen sie nie getroffen. Sie untersucht Tiermissbrauchsbetriebe und wenn sie auf Tierquälerei stößt – was leider ständig der Fall ist –, macht sie Videoaufnahmen und schreibt ihre Beobachtungen nieder, um etwas dagegen zu unternehmen. Sie hat schon in zahlreichen Betrieben Tiermissbrauch aufgedeckt, u.a. bei einem Händler, der verängstigte, kranke und verletzte Affen importiert und an Versuchslaboratorien verkauft. Im folgenden Interview erklärt B, welchen Hindernissen sie oft entgegentritt und wie sie diese überwindet, um Tierquälerei aufzudecken – Tierquälerei, die vor der Öffentlichkeit sorgsam verborgen werden soll.

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Augustus Club im Gespräch

Augustus Club: Wie hat es mit den Tierrechten bei dir angefangen?

B: Ich fühle mich Tieren schon seit ich klein bin sehr verbunden. Mit 17 sah ich ein PETA-Video aus einem Hühnerbetrieb. Das hat mich inspiriert, Vegetarierin zu werden und ein paar Jahre später wurde ich Veganerin.

AC: Als du damals diese Aufnahmen gesehen hast, hättest du dir vorstellen können, dass du eines Tages selbst hinter der Kamera stehen wirst?

B: Ich dachte zwar nicht gleich: „Ja, das werde ich einmal machen.“ Aber ich weiß noch, wie cool ich diese Ermittlungen fand und dass mich der Prozess dahinter sehr interessiert hat.

AC: Was hast du gemacht, bevor du zu PETA kamst?

B: Ich habe in unterschiedlichen Bereichen mit Tieren gearbeitet, u.a. in einer Tierklinik.

AC: Warst du vor deinem ersten Einsatz als Ermittlerin aufgeregt oder eher nervös?

B: Beides gleichermaßen.

AC: Gab es, als du dich für die Stelle beworben hast, einen bestimmten Bereich, der dich besonders interessiert hat (z.B. Zirkus, der Heimtierhandel, Versuchslabors)?

B: Ich war offen für alles. Und ich war neugierig auf alles. Manche Menschen stimmen nicht mit PETAs Philosophie überein und ich hatte einige Male Dinge gehört wie „Die PETA-Videos sind bearbeitet“ oder „Sie bearbeiten die Aufnahmen so, dass schlimmer aussieht, als es ist“. Deshalb hat mich wirklich interessiert, was ich wohl vorfinden würde und wie der Bearbeitungsprozess abläuft.

Und bisher hat sich bei jedem meiner Einsätze herausgestellt, dass die Tiere so schrecklich leiden, dass ich es wohl selbst nicht geglaubt hätte, hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen.

Mein größter Trost ist, dass ich es nur einmal mit ansehen muss. Mir tun meine Kollegen leid, die all die vielen Stunden Videoaufnahmen schneiden und sie sich so immer und immer wieder ansehen müssen – und natürlich die Tiere, die diesem Leid ausgesetzt sind.

AC: Bei einem Einsatz darfst du dir dein Entsetzen nicht anmerken lassen, wenn du ein Tier leiden siehst. Wie bereitest du dich psychologisch darauf vor, deine Emotionen zu verschleiern?

B: Ich stelle mir vor, ich würde einfach eine Rolle spielen. Aber wie viel Mitgefühl ich den Tieren gegenüber zeigen darf, hängt auch von dem Einsatzort ab. In der Fleisch- und Milchindustrie zum Beispiel würde ich mich verraten, wenn ich mich um die Tiere sorgen würde. Aber eine Firma wie Primate Products, Inc. verkauft Affen an Labors und wirbt mit der guten Gesundheit der Tiere. Wenn ich dort offensichtlich kranke oder verletzte Affen sah, konnte ich jemanden ansprechen und darum bitten, die Affen medizinisch versorgen zu lassen, um so die „Produktqualität“ zu verbessern.

AC: Darfst du deiner Familie und deinen Freunden davon erzählen, wenn du gerade im Einsatz bist?

B: Nein, auf keinen Fall.

AC: Ist es schwierig, unter so emotional belastenden Umständen nicht die Unterstützung von Freunden und Familienmitgliedern zu haben?

B: Auf jeden Fall, aber zum Glück bekomme ich jede Menge emotionale Unterstützung von meinen Kollegen bei PETA. Sie tun wirklich alles, um mir den Rücken freizuhalten.

AC: Warst du schon einmal in einer brenzligen Situation, weil dich jemand beim Filmen erwischt hat?

B: Nur einmal. Ich filmte gerade mit einer kleinen Handkamera und eine Kollegin stand plötzlich hinter mir und fragte: „Was machst du da?“ Ich war mir nicht sicher, wie die Frage gemeint war: Fragte sie mich, warum ich filmte – was bedeutet hätte, meine Tarnung wäre aufgeflogen – oder wollte sie nur ein nettes Gespräch anfangen und mich fragen, woran ich gerade arbeitete? Ich versteckte die Kamera und drehte mich um. Mein Herz klopfte wie verrückt, weil ich ihre Stimmlage einfach nicht deuten konnte. Glücklicherweise war zweites der Fall.

AC: Gibt es sonst noch etwas, das du den Mitgliedern des Augustus Club sagen möchtest?

B: Ich möchte ihnen dafür danken, dass sie meine Arbeit erst möglich machen und auch die Arbeit meiner Kollegen in der Abteilung Tierquälereifälle. Ich habe noch nie zuvor mit so klugen, einfühlsamen und engagierten Menschen zusammengearbeitet. Ich bin jeden Tag dankbar dafür, zu diesem Team zu gehören und etwas im Leben der Tiere verändern zu können.

Über den Augustus Club

Der Augustus Club soll als Vereinigung all diejenigen ehren, die PETAs Arbeit für die Tiere eine Erbschaft zukommen lassen möchten. Sollten auch Sie PETA in Ihrem Testament vermerkt haben, geben Sie uns bitte Bescheid, damit wir Ihnen danken können! Wenn Sie eine solche Spende noch nicht in Betracht gezogen haben, nun aber gerne weitere Informationen darüber hätten, nehmen Sie bitte Kontakt zu uns auf.

Der Augustus Club ist ein freier Zusammenschluss von PETA-Unterstützern, die unsere Freunde, die Tiere, auch in ihrem Testament bedenken wollen. PETA Deutschland hat den Augustus Club gegründet, um – nach dem Vorbild unserer Mutter-Organisation PETA USA – allen Tierfreunden die Möglichkeit zu geben, sich über das Thema Testamente zu informieren, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, detaillierte kostenlose Fachberatung zu erhalten; und nicht zuletzt um diejenigen anzuerkennen, die sich für eine solche zukunftsorientierte Planung für die Tiere entscheiden.

Der Name Augustus Club hat eine bewegende Geschichte: Augustus war einer von 17 Makaken-Affen, die PETA USA bei einer Recherche Anfang der 80er Jahre in einem Forschungslabor in Silver Springs gefunden hatte. Obwohl unsere US-Kollegen fünf dieser feinfühligen Wesen durch einen langjährigen Rechtsstreit frei bekommen konnten, starb Augustus schließlich hinter den Labormauern an den Folgen der Tierversuche. Der damalige Experimentator wurde als erster in der Geschichte wegen Tierquälerei verurteilt.

Augustus zu Ehren wurde PETAs Club so benannt. Die Unterstützung von Vermächtnisgebern ermöglicht eine zielgerichtete, erfolgreiche und langfristige Lebensverbesserung und Rettung von vielen, vielen Tieren in der Zukunft. Jeder kann dabei sein, unabhängig von Alter oder Vermögenslage.

Sie möchten mit uns über dieses Thema sprechen? Sie erreichen uns unter Tel. 0711 / 860 591 334 oder per Mail an erbschaften@peta.de.

Dieser Artikel erschien im Original im Newsletter von PETAs Augustus Club.

Weitere Informationen

PETA.de/erbschaften

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