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Hundeführerschein anstelle von Rasselisten!

Hundeführerschein anstelle von Rasselisten!

PETA fordert die Abschaffung von Rasselisten und die bundesweite Einführung des Hundeführerscheins.

Das Wort „Kampfhund“ stigmatisiert Hunde, die bestimmten Rassen angehören – ohne den Blick tatsächlich auf das einzelne Tier zu lenken. Dabei wird kein Hund als „Beißer“ geboren, der Mensch ist hier in der Verantwortung. So sind die in der Gesellschaft negativ behafteten „Listenhunde“ und ihre Mixe genau so freundlich, gelehrig und auf Menschen bezogen, wie ihre Artgenossen – wenn sie die richtigen Menschen an ihrer Seite haben. Der Begriff „Kampfhund“ wurde übrigens nur durch die Medien geprägt uns ist auf diesem Weg bis in die Gesetzgebung gewandert. Kein annerkannter Wissenschafter würde Hunde einer spezifischen Rasse so benennen!

Die Hunde werden unterteilt in die Listen 1-3. Hier wird unterschieden zwischen einem generellen Haltungsverbot bestimmter Rassen bis hin zu einer Haltung unter strengen Auflagen. Diese werden aber ausschließlich der Rasse zugeschrieben, der einzelne Hund bleibt – außer im Wesenstest zur Leinenbefreiung mit Maulkorb auf gekennzeichneten Hundewiesen – außen vor.

Daher die Forderung: Hundeführerschein anstelle von Rasselisten!

Der Fehler liegt im System

In einer Grundsatzentscheidung legte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig vergangenen Mittwoch fest, dass für die von Städten und Gemeinden erhobene Kampfhundesteuer eine Obergrenze gelten muss. Hundehalter aus dem bayerischen Bad Kohlgrub hatten geklagt, weil sie für ihre Rottweiler-Hündin 2.000 Euro Steuern im Jahr zahlen sollten – das 26-fache, was beispielsweise Pudel oder Schäferhunde im selben Landkreis kosten. Mit der erhöhten Hundesteuer soll die Haltung sogenannter Listenhunde unattraktiv gemacht werden. So stehen Rottweiler in Bayern auf der Liste der „gefährlichen“ Hunderassen, während sie beispielsweise in Baden-Württemberg als ungefährlich gelten und daher von der erhöhten Hundesteuer freigestellt sind. Laut des aktuellen Leipziger Urteils ist die Erhebung höherer Steuerbeträge für sogenannte Listenhunde auch weiterhin zulässig – allerdings nicht unbeschränkt: Der Betrag darf die durchschnittlichen jährlichen Haltungskosten eines Hundes nicht übersteigen.

Hier sei angemerkt, dass die „durchschnittlichen Haltungskosten“ schon recht hoch sein können. Durch Futter, Tierarztkosten, Zubehör, Hundeschule, Versicherungen und ähnliches kommen schnell Kosten von 1000€ und mehr pro Jahr und pro Hund zusammen.

Die Beißstatistik
Rasselisten haben keine Aussagekraft. Foto: (c) PETA

Rasselisten haben keine Aussagekraft. Foto: (c) PETA

PETA Deutschland e.V. weist in diesem Zusammenhang auf die Beißstatistiken hin, aus denen hervorgeht, dass die Einführung von Rasselisten keinen Einfluss auf die Zahl der Beißvorfälle hat, denn nach wie vor werden Tiere und Menschen durch Hundebisse verletzt. Vielmehr zeigen die Statistiken auf, dass die meisten Vorfälle nicht etwa auf gelistete Rassen zurückzuführen sind, sondern auf Deutsche Schäferhunde sowie Dackel und Terrier. Die Tierrechtsorganisation fordert daher eine Abschaffung der sogenannten Rasselisten sowie die gleichzeitige Einführung eines verpflichtenden Sachkundenachweises für Hundehalter.

Denn: Es ist der Mensch, der Hunde in die Situation bringt zu beißen. Unwissenheit, falsche Reaktionen auf die Körpersprache des Hundes, fehlendes Wissen über das Ausdrucksverhalten der Tiere, Schmerzen sowie ein insgesamt nicht artgerechter Umgang mit den Vierbeiner bringen diese in Notsituationen, in denen sie sich ggf. zur Wehr setzen! Kein Hund beißt aus Freude und Spaß einen Menschen.

 

Die Expertin zum Thema

„Die willkürliche Stigmatisierung bestimmter Rassen als beißwütige ‚Kampfhunde‘ schützt weder Menschen noch Hunde“, so Sabine Trebicky, Fachreferentin für Tierische Mitbewohner bei PETA Deutschland e.V. „Beißvorfälle finden unabhängig von Rasselisten und erhöhter Hundesteuer statt – das Problem liegt folglich nicht in der Rasse, sondern am anderen Ende der Leine.“

Die Wissenschaft über Hunde und ihre Menschen

Experten wie die renommierte Verhaltensforscherin und Kynologin Dr. Dorit Feddersen-Petersen sprechen sich gegen die Theorie einer genetisch veranlagten erhöhten Aggressivität bestimmter Hunderassen aus. Viel ausschlaggebender ist die Beziehung zwischen Hund und Halter, wobei sowohl Erziehungsmethoden als auch Kommunikation eine große Rolle spielen. Im Land Niedersachsen wurde die „Rasseliste“ aus diesem Grund bereits 2013 abgeschafft und stattdessen der verpflichtende Sachkundenachweis für Hundehalter eingeführt. Weitere Länder ziehen ähnliche Gesetzesänderungen in Betracht. Der sogenannte Hundeführerschein kann sicherstellen, dass Hundehalter sachkundig mit ihrem Tier umgehen und die Signale ihres Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Halter und Hund ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern. Zudem werden mit dem Hundeführerschein Kenntnisse über die Anforderungen der Hundehaltung vermittelt, die für ein tiergerechtes Leben der Hunde unerlässlich sind.

 

Weitere Informationen

PETA.de/Silke_Wechsung
PETA.de/Hundeführerschein
PETA.de/Wie_steht_PETA_zu_sogenannten_Kampfhunden

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