Für Tierfreunde im besten Alter

Experteninterview – Fit über Fünfzig!

Experteninterview – Fit über Fünfzig!

Kann der Mensch von pflanzlicher Kost gesund leben? Wie ungesund sind tierische Produkte? Reichen die Vitalstoffe einem Körper, der schon mehr als ein halbes Jahrhundert alt ist, tatsächlich aus, um im Alterungsprozess mit allem Wichtigen versorgt zu sein? Die Umstellung auf eine vegane Lebensweise wirft Fragen auf. PETA50Plus hat sie im Gespräch beantwortet.

Felicitas Kitali, Diplom-Ernährungswissenschaftlerin - Im Gespräch

PETA50Plus: Obst und Gemüse sind gesund. Aber kann das alleine den Körper ausreichend versorgen?

Felicitas Kitali: Ein klares Jein! Mehrmals täglich Gemüse und zwei Portionen Obst, das versorgt den Organismus mit Vitaminen, Mineralstoffen und wichtigen sekundären Pflanzenstoffen. Ergänzend dazu pflanzliches Eiweiß aus Hülsenfrüchten, Tofu oder Seitan und einige Kohlenhydrate, schon ist der Körper optimal versorgt. Auf hochwertige pflanzliche Öle sollte ebenfalls viel Wert gelegt werden. An Extras benötigt der Körper Vitamin B12 und Vitamin D. Zur B12 Versorgung sollten Veganer eine angereicherte Zahnpasta nutzen und ab und zu einen mit Vitamin B12 angereicherten Pflanzendrink zu sich nehmen. Vitamin D kann dem Organismus über eine Tablette verabreicht werden.

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50+: Eiweiß ist ein wichtiges Stichwort. Kann man, ohne etwas einzubüßen, auf tierische Proteine verzichten?

F.K.: Oh ja, das kann und sollte man sogar! Eiweiße setzen sich aus Aminosäuren zusammen, und alle Aminosäuren, die unser Körper benötigt, kommen auch in pflanzlichen Produkten vor. Es besteht die Theorie, dass tierische Eiweiße viele schwefelhaltige Aminosäuren enthalten, die zur Erhöhung der Säurelast im Organismus führen können. Dies wird vermutlich durch eine Mobilisierung von Kalzium aus den Knochen gepuffert. Viel gesündere Eiweißquellen sind Hülsenfrüchte, wie Bohnen und Sojaprodukte, sowie alle Variationen von Erbsen und Linsen und auch Nüsse und Samen. Pflanzliches Eiweiß mindert zudem das Gicht-Risiko!

50+: Stichwort Gicht – wie hängt das mit der Ernährung zusammen?

F.K.: Hyperurikämie (erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut) und die sich dadurch entwickelnde Gicht sind Purin-Stoffwechselerkrankungen. Gicht kann im schlimmsten Fall zur Niereninsuffizienz – dem Versagen des Organs – führen. Zudem ist diese Erkrankung sehr schmerzhaft, denn Harnsäurekristalle lagern sich an Knorpeln und gelenknahen Knochen ab. Die Ernährungstherapie stellt die Basis der Behandlung dieser Krankheiten dar. Man sollte auf jeden Fall purinreiche Lebensmittel meiden. Das sind vor allem Fleisch, Wurst, Innereien, Fisch und Geflügel sowie Meerestiere. Außerdem sollte man eine Proteinzufuhr durch tierische Nahrungsmittel aufgrund der ungünstigen Aminosäuren-Kombination vermeiden. Proteinreiche vegane Produkte sind für die purinarme Kost geeignet. Zudem ist es ratsam, dass sich Menschen, die zu Gicht neigen oder diese Krankheit bereits haben, so fettarm wie möglich ernähren.

50+: Welche weiteren Vorteile bringt eine rein pflanzliche Ernährung mit sich?

F.K.: Die Entstehung vieler Zivilisationskrankheiten ist direkt oder indirekt mit der Ernährung assoziiert. Vegan lebende Menschen leiden seltener an Diabetes, Krebs, Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für die Gesundheit ist eine rein pflanzliche Ernährung die beste Vorsorge. Darüber hinaus schützt sie die Umwelt und hilft den Tieren. Knapp gesagt: Die vegane Ernährung hält gesund und schlank, und man fühlt sich einfach insgesamt gut.

Vegan oder vegetarisch? Foto: (c) clipdealer.de

50+: Stichwort Diabetes. Wie förderlich ist eine vegane Ernährung gegen diese Krankheit?

F.K.: Eine rein pflanzliche Kost hilft dem Körper immens. Das ist wissenschaftlich bewiesen. So wurden zum Beispiel in einer Studie bei zwei vergleichbaren Gruppen mit übergewichtigen Typ-2-Diabetiker/-innen untersucht, welche Auswirkungen eine vegane Kost auf den Krankheitsverlauf hat. Dazu wurden eine vegane Gruppe und eine Vergleichsgruppe, die sich gemäß den Richtlinien der American Diabetes Association ernährte, gegenübergestellt. Die erzielte Gewichtsreduktion war bei beiden Versuchsgruppen vergleichbar. Bei der veganen Gruppe erreichten Ärzte eine deutlich verbesserte Blutzuckerkontrolle. Zudem verringerten sich die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei der veganen Gruppe.2 Die Dosis der medikamentösen Diabetesbehandlung konnte bei deutlich mehr Teilnehmer/-innen mit rein pflanzlicher Kost reduziert werden. Insgesamt war die vegane Kost wirkungsvoller in der Kontrolle von Blutglukose und Blutfetten als die konventionelle Ernährungstherapie.3,4 Vegane Ernährung ist somit nicht nur präventiv bei Diabetes wirksam, sondern auch in der Behandlung.

PETA50Plus sagt: Danke, Frau Kitali, für dieses Gespräch!

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NCBI.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3405188

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