Für Tierfreunde im besten Alter

Ein Veganer in Venedig

Ein Veganer in Venedig

Venedig – tierfreundlich genießen in Italien. PETA50Plus Gastautor Martin Schempp berichtet über seine Liebe zu dieser einzigartigen Inselstadt.

Ein Veganer in Venedig: Ob man unbedingt einmal pro Jahr nach Venedig fahren muss, ist eine berechtigte Frage. Für mich stellt sie sich gar nicht erst, denn ich bin verliebt in Venedig. Verliebt in dieses inflationäre Vorkommen von Renaissance-Palästen, verliebt in die stillen Gassen und Kanäle, verliebt in die lauschigen Parks, verliebt in die distanzierte Höflichkeit der Venezianer. Deshalb fahre ich einmal pro Jahr nach Venedig.

Und ich stelle mir einmal pro Jahr die Frage: Wie komme ich in Sachen veganem Essen über die Runden? Vegan ist in Italien generell ein schwieriges Thema, denn den Italienern ist der Begriff ebenso fremd wie die Worte Einkommenssteuer, Tempolimit oder Überholverbot.

Vegan essen in Venedig
Wunderschöne Märkte mit regionalem Obst & Gemüse. Foto: (c) Sylva Harasim

Wunderschöne Märkte mit regionalem Obst & Gemüse. Foto: (c) Sylva Harasim

Zunächst eine klare Ansage – in Venedig gibt es weder spezielle vegane Restaurants noch Bistros oder Cafés. Deshalb ist Improvisationskunst verlangt. Frühstück in der Ferienwohnung, im Hotel oder auf dem Campingplatz stellt den Veganer vor kein Problem, Vollkornbrötchen, Obst und Gemüse finden sich überall. Unterwegs sieht es schon anders aus. Klar, Pasta mit Tomatensoße geht immer. Und sonst? Eben. Aber keine Bange: Die Pizza-Variante von Pasta mit Tomatensoße heißt Pizza Marinara. Pizzateig (Mehl, Wasser, Salz), Olivenöl, Tomaten, Gewürze – fertig. Schmeckt köstlich, kein Mensch braucht Käse auf der Pizza. Die meisten Pizzerien in Venedig haben die Marinara auf der Karte stehen. Sonst fragt man einfach nach Pizza ohne Käse („senza formaggio“).

Schwieriger wird es bei den kleinen Pizza-Buden, die in der Regel nur eine begrenzte Auswahl verschiedener Sorten anbieten. Aber auch da hilft fragen. Oft backt der Pizzaiolo dann speziell für den veganen Gast aus Germania eine vegane Pizza.

Fündig werde ich oft auch im Sandwich-Angebot der Bistros, wo immer öfters nur mit Gemüse belegte Panini ausliegen. Das geschulte Auge erkennt sie leicht. Nicht exakt vegan, aber doch bereits vegetarisch angelegt ist das Bistro Le Spighe in der Via Garibaldi (Stadtteil Castello). Mehrere vegane Gerichte oder Essen zum Mitnehmen stehen auf der Karte. Verwendet werden nur Bioprodukte aus der Region.

Gute Ideen für Schlemmer-Experten
Genießen wird in Venedig groß geschrieben. Foto: (c) Sylva Harasim

Genießen wird in Venedig groß geschrieben. Foto: (c) Sylva Harasim

Bei schönem Wetter esse ich ohnehin gerne draußen auf einer Bank in einem Park oder auf einem Platz. Dazu kaufe ich Brot und je eine Tüte Obst und Gemüse. Das Grünzeug gibt es entweder in den kleinen Lebensmittelgeschäften oder aber in unglaublicher Auswahl und Qualität auf dem Markt hinter der Rialto-Brücke. Der Rialto-Markt hat täglich bis Mittag geöffnet. Die beiden schönsten Marktstände Venedigs schwimmen jedoch auf dem Wasser – Obst- und Gemüseboote. Eines liegt in dem Kanal, der die Via Garibaldi verlängert (Stadtteil Castello), das andere im Stadtteil Dorsoduro in einem der Querkanäle, die den Canal Grande mit dem Giudecca-Kanal verbinden.

 

Süßer Eisgenuss ohne Tierleid

Veganer Eisgenuss in Venedig. Foto: (c) Sylva Harasim

So, das Mittagessen war vorzüglich, die Kulisse traumhaft, was fehlt zum Glück? Der Nachtisch. Im Land der Pasticcerias eigentlich kein Thema – für Allesesser. Der Veganer hingegen drückt sich an den Schaufenstern die Nase platt und darf die vielen Köstlichkeiten nur ansehen. Denn ob Canolli, Zaletti, Buranelli oder Macarone – überall schüttet der Venezianer massiv Butter hinein. Also kein Nachtisch für Veganer? Doch. Und zwar Eis. Ob es nun am Respekt vor Tieren oder an den Allergien der Kunden liegt – die meisten Eisdielen in Venedig schlagen mittlerweile mindestens eine milchfreie Sorte in die Edelstahlkübel („senza latte“). Besonders viel Mühe gibt sich Venchi in der Calle dei Fabbri 989 (Stadtteil San Marco). Der tradtionsreiche Eishersteller verwendet für seine vielen verschiedenen Soja-Eissorten (sogar zweimal Schokolade) ausschließlich natürliche Zutaten. Nico am Zattere-Ufer (Stadtteil Dorsoduro) bietet neben Nuss- und Schoko-Eis aus Soja eine traumhafte Aussicht auf die gegenüberliegende Insel Giudecca (interessant: das Peperoni-Schoko-Eis).

Venedig mit Hund
Venedig ist hundefreundlich. Foto: (c) Sylva Harasim

Venedig ist hundefreundlich. Foto: (c) Sylva Harasim

Zum Schluss ein Tipp ganz anderer Art: Sollten Sie einen Hund haben, nehmen sie den ruhig mit. Venedig wird ihm gefallen – keine Autos, keine Fahrräder, mehrere Parks und so viele interessante Ecken, die man beschnüffeln kann. Besonders zu empfehlen für Mensch und Hund: Die Giardini ex Reali neben dem Markusplatz, die Giardini am Ende vom Stadtteil Castello sowie die grüne, ruhige Kircheninsel San Pietro di Castello. Offiziell gilt in Venedig Leinenpflicht. Die wird jedoch – von völlig humorlosen Polizisten – nur an den touristischen Hauptorten und –routen kontrolliert. Abseits des Trubels lassen die Einheimischen ihre Hunde stets ohne Leine laufen. Wie wir auch. Die Fahrt mit dem Zubringerschiff nach Venedig oder danach mit dem innerstädtischen Vaporetto ist ebenfalls kein Problem. Größere Hunde mit Maulkorb, kleinere ohne, beide fahren umsonst. Wenn es sein muss, einmal im Jahr.

Wir danken unserem Gastautor für diesen Artikel!

Über Martin Schempp
Unser Gastautor und Hündin "Foxy" genießen Venedig. Foto: (c) Sylva Harasim

Unser Gastautor und Hündin „Foxy“ genießen Venedig. Foto: (c) Sylva Harasim

Er ist Journalist und liebt das Reisen. Zudem ist er überzeugter Veganer und Tierrechtler. Für PETA50Plus berichtet er exklusiv über seine ganz persönlichen veganen Reiseerfahrungen und gibt unseren Lesern wertvolle Geheimtipps mit auf den Weg. Seine vierbeinige Begleiterin „Foxy“ darf zumeist mit zu gemeinsamen Reisen.

 

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