Für Tierfreunde im besten Alter

Ein Veganer an der Côte d’Azur

Ein Veganer an der Côte d’Azur

Über die Liebe zur Côte d’Azur berichtet unser Gastautor Martin Schempp – lassen Sie sich verzaubern… und packen Sie Ihre Koffer.

Ein Veganer an der Côte d’Azur: Es war die berühmte Liebe auf den ersten Blick. Als ich in den 1980er-Jahren zum ersten Mal an die Côte d’Azur reiste, verliebte ich mich auf der Stelle. Verliebte mich in diese von hohen Palmen gesäumten Uferpromenaden, in diese bunten, blumengeschmückten Gärten, in diese malerischen Stadtkerne mit ihren engen Gassen, in dieses ruhige, verträumte Hinterland, in diese Menschen und ihre unnachahmliche, bezaubernde Mischung aus französischer und italienischer Mentalität. Seitdem besuche ich die Côte d’Azur regelmäßig, habe sogar schon zwei Jahre dort gewohnt.

Sonne, Strand und französiches Flair. Foto: (c) Sylva Harasim

Sonne, Strand und französiches Flair. Foto: (c) Sylva Harasim

Deswegen bin ich nicht objektiv. Ignoriere und ertrage gerne den wahnsinnigen Verkehr, die astronomischen Preise, den miserablen Service und die arroganten Kellner. Was mir jedoch zu schaffen macht, ist die Ignoranz der Franzosen im Allgemeinen und der Südfranzosen im Besonderen gegenüber dem veganen Lebensstil. Tiere wurden immer schon gegessen, benutzt und getragen – basta! Ethik und Moral? Darum darf sich gerne die nächste Generation kümmern. Ehrlich gesagt: Was soll man auch von einem Land erwarten, das sauren Regen für ein vorübergehendes Naturphänomen und Atomkraft für harmlos hält? Eben. Und so ist jeder Besuch meiner Lieblingsregion für mich immer wieder ein veganes Abenteuer.

Das vegane Abenteuer beginnt beim Frühstück

Da es quasi nichts gibt, in das der Franzose keine Butter, Milch oder Mayonnaise kippt, beginnt dieses Abenteuer schon beim Frühstück. Gott sei Dank hat der liebe Gott den Franzosen das beste Weißbrot der Welt geschenkt, und so fällt das vegane Frühstück mit Baguette, Gemüsescheiben, Salatblättern und Obst gar nicht einmal so schlecht aus. Da ich meinen Kaffee ohnehin schwarz trinke, lasse ich den in Frankreich morgens populären Café au Lait gerne stehen.

Südliche Sonne und reife Oliven - traumhaft. Foto: (c) Sylva Harasim

Südliche Sonne und reife Oliven – traumhaft. Foto: (c) Sylva Harasim

Der Morgen verstreicht beim Bummel entlang einer Promenade oder durch eine Altstadt sehr schnell, und schon bald meldet sich der zweite Hunger. Und wieder kommt das Baguette zum Einsatz, diesmal in Form des beliebten Sandwichs. Zu kaufen überall an Straßenständen, in Bäckereien, sogar im Supermarkt. Ich bestelle es vegetarisch (végétarien), ohne Mayonnaise (sans mayo), dafür mit etwas Olivenöl (avec huile d’olive) und kann genießerisch in das beste Sandwich der Welt beißen. Will ich keinen Belag, kauf ich beim Bäcker eine Fougasse (eine Art Fladenbrot) mit eingebackenen Oliven oder Tomaten.

Insider-Tipps für veganen Mittagstisch

Eine weitere Runde Sightseeing folgt, dann bin ich in der Regel reif fürs Mittagessen. Und jetzt wird es spannend, denn an der ganzen Côte d’Azur gibt es gerade mal zwei vegane Restaurants. Überrascht? Tja, Frankreich eben, saurer Regen, Atomkraft … Das eine Restaurant heißt Le Speakeasy und befindet sich in Nizza in einer Seitenstraße der Avenue Jean-Médecin (7, rue Lamartine). Geführt wird es von einer engagierten Kalifornierin, es ist klein, seine Einrichtung alt, aber seine Gerichte sind eine Wucht. Eine gute Alternative für den kleine Hunger ist übrigens gleich um die Ecke die Saft- und Smoothie-Bar im Untergeschoss der Einkaufspassage Nice-Etoile.

Der zweite vegane Fels in der Brandung steht als Filiale der veganen Kette Loving Hut an der Uferpromenade von Menton (649 promenade du Soleil). Tolle Aussicht aufs Meer, klasse Essen – eine Empfehlung.

Vegane Vielfalt. Foto: (c) Sylva Harasim

Vegane Vielfalt. Foto: (c) Sylva Harasim

Und wer sich gerade nicht in Menton oder Nizza aufhält? Der muss improvisieren. In Antibes kauft der Veganer auf dem schönsten Markt der Côte d’Azur getrocknete Tomaten, Oliven, Brot und eine Flasche Wein und setzt sich zum Mittagessen entweder auf eine Bank an Antibes’ kleinem Strand oder in den Park.

In Monaco geht er zum Place d’Armes (unterhalb des Bahnhofs, am Fuß des Schlossfelsens). Dort findet nicht nur jeden Vormittag ein Markt statt, sondern dort wartet im Inneren der Markthalle ein erstklassiges Angebot an Restaurants, Bistros und Cafés. Dass dort drinnen vor allem Monegassen verkehren, spricht für die Qualität der Waren. Und so ist es kein Wunder, dass ich meinen veganen Hunger an einer Obst- und Gemüsetheke entweder mit einem Smoothie oder einer Variation von interessanten Gemüsekreationen stillen kann.

Socca - was für ein Genuß!
Socca macht Hunger auf mehr.... Foto: (c) Sylva Harasim

Socca macht Hunger auf mehr…. Foto: (c) Sylva Harasim

Wir Veganer kennen es – Smoothie und Obst halten nicht lange. So gibt der Magen bald wieder Bescheid und verlangt Nachschub. Jetzt kommt das ultimative vegane Essen an der Côte d’Azur zum Einsatz – die Socca. In den 1950er-Jahren aus Spanien importiert, hat sie sich zur südfranzösischen Spezialität entwickelt. Eine Socca besteht aus Kichererbsenmehl, Olivenöl, Wasser, Salz, Kreuzkümmel und Koriander. Sie wird in einem großen runden Blech zu einem Pfannkuchen ausgebacken und anschließend zerteilt. In Cannes, Antibes und Monaco wird sie ausschließlich vormittags auf den Märkten angeboten. In Nizza hingegen gibt es sie bei René Socca in der Altstadt oder bei Thérésa auf dem Markt. Wobei Traditionalisten bei Thérésa kaufen. Ihre Großmutter war es, die die Socca nach Nizza brachte, und Thérésa führt zusammen mit ihrem Mann und Sohn das Geschäft fort. Mit Erfolg – rund 300 Portionen verkauft das Trio pro Markttag.

Frankreich ist auf die Bio-Läden gekommen...

Es ist Nachmittag, alle Märkte haben geschlossen, der Hunger kommt wieder. Was tun? Ganz einfach – ich gehe in einen Bioladen und kaufe mir etwas Veganes auf die Hand. Glücklicherweise hat die Biowelle inzwischen endlich auch Frankreich erreicht und der Côte d’Azur eine ganze Reihe von Bioläden beschert. In Nizza finden wir zweimal Le Marchand Bio (2, rue de la Buffa und 10, corniche Anré Joly/Moyenne Corniche), Bio City (6, rue Cassini), Para Bio (44, bd. Joseph Garnier) und Biobulle Azur (59 bd. Général Louis Delfino). In Antibes gibt es ebenfalls einen Le Marchand Bio (2635 chemin de Saint Claude, beim Carrefour-Supermarkt), in Cannes (3, rue Léopold Bucquet) sowie in Cagnes sur Mer (1, av. Hôtel des Postes) jeweils einen Para Bio.

Süße Naschereien ohne Tierleid

Bleibt die Nachtischfrage. Ein kleines Problem, fügen doch die Franzosen ihren Backwaren großzügig tierisches Eiweiß in Form von Butter, Eiern, Sahne und Milch zu. Pflanzenmargarine als Alternative? Im Land der Haute Cuisine kein Thema. Was bleibt ist der Bio-Supermarkt, die Eisdiele mit milchfreiem Früchteeis oder als überraschend schmackhafte Alternative – getrocknetes bzw. kandiertes Obst vom Markt. Die meisten Markthändler ernten und trocknen ihr Obst selbst, was dem Geschmack zugutekommt. In Nizza wird das Obst gerne mit Zucker kandiert und gibt einen sehr süßen, aber traumhaften Nachtisch ab. Auf dem Nizzaer Wochenmarkt, der täglich vormittags auf dem Cours Saleya in der Altstadt stattfindet, bietet ein spezieller Stand diese kandierten Leckereien an.

Liebe ist unendlich
Savoir vivre! Foto: (c) Sylva Harasim

Savoir vivre! Foto: (c) Sylva Harasim

Später Nachmittag, der Tag war lang und erfüllt. Ich sitze in Nizza an der Promenade des Anglais auf einer der blauen Bänke, eine Tüte mit Baguette, Obst und Gemüse fürs Abendessen neben mir. Ich blicke auf das Meer hinaus und lasse eine kandierte Ananas auf der Zunge zergehen. In einem solchen Augenblick weiß ich wieder, weshalb ich mich damals in den 1980er-Jahren hoffnungslos in die Côte d’Azur verliebt habe.

Wir danken unserem Gastautor für diesen Artikel!

Über Martin Schempp
Gastautor Martin Schempp im sonnigen Frankreich. Foto: (c) Sylva Harasim

Gastautor Martin Schempp im sonnigen Frankreich. Foto: (c) Sylva Harasim

Er ist Journalist und liebt das Reisen. Zudem ist er überzeugter Veganer und Tierrechtler. Für PETA50Plus berichtet er exklusiv über seine ganz persönlichen veganen Reiseerfahrungen und gibt unseren Lesern wertvolle Geheimtipps mit auf den Weg. Seine vierbeinigen Begleiterinnen “Foxy” und „Jacky“ dürfen zumeist mit auf  gemeinsamen Reisen.

Einen weiteren, spannenden Reisebericht finden Sie hier:

PETA50plus.de/ein-veganer-venedig/

 

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