Für Tierfreunde im besten Alter

Der Sommer braucht die Wespen!

Der Sommer braucht die Wespen!

Wespen sehen wir derzeit sehr viele und manch einer geht den gestreiften Flugtieren an den Kragen. Bitte nicht! Denn wir brauchen Wespen für unser Ökosystem. Gastautorin Bettina Marie Schneider hat es für PETA50Plus auf den Punkt gebracht.

Der Sommer braucht die Wespen! Gestern im Biergarten war wieder einmal showtime. Erstaunlich, wie ein paar harmlose gelb-schwarz gestreifte Insekten allein durch ihre Anwesenheit Menschen in Hysterie und Panik versetzen können. Da wird wild um sich geschlagen, geflucht, fluchtartig  der Tisch verlassen und argwöhnisch die Umgebung abgesucht. Da wird erschlagen, zertreten, abgefackelt, ersäuft,  als wären die Störenfriede am Tisch nicht Wespen sondern kleine Drohnen mit tödlichen Kampfstoffen an Bord. Menschen sind manchmal wirklich seltsam.

Während ich dieses Spektakel um mich herum mit einer Mischung aus Belustigung und Bedauern verfolgte, fischte ich mit dem Strohhalm immer wieder abgestürzte Wespen aus meinem Glas. Magisch angezogen vom Duft des  frisch gepressten Karottensafts, waren sie vom Glasrand abgerutscht und strampelten jetzt in der zähen Flüssigkeit um ihr Leben. Wüsste ich es nicht besser, würde ich schwören, jedesmal so etwas wie Erleichterung auf dem winzigen Wespen Gesicht zu erkennen, wenn sie den Strohhalm fest umklammern, sich ohne Gegenwehr herausheben lassen und anschließend bedröppelt putzen. Possierlich und gewissenhaft werden nach der gründlichen Säuberung  Fühler und Flügel auf Funktion überprüft. Dann wird sofort der nächste Anflug gestartet, der nächste Versuch, etwas von der begehrten Beute abzubekommen. Eines muss man den Wespen lassen…hartnäckig sind sie…und gierig.

Wespen haben viel zu tun...
Architektur auf höchstem Niveau! Foto: (c) frei / pixabay

Architektur auf höchstem Niveau! Foto: (c) frei / pixabay

Zur Zeit sind sie besonders gierig auf Süßes, auf jede üppige Energiequelle. Je mehr davon , desto besser. Wenn der Nachwuchs erfolgreich großgezogen wurde,  benötigen die jungen Königinnen viel Zucker als Energiedepot um den Winter zu überstehen. Denn nur die Königinnen werden den Winter überleben, nur sie sind für den Fortbestand des Schwarms verantwortlich und werden für diese wichtige Aufgabe entsprechend umsorgt. Wie bei den Ameisen oder den Bienen sind alle Arbeiten aufgeteilt. Die einen Wespen sind für die Bauarbeiten des Nests verantwortlich, andere müssen es bewachen oder Nahrung für die Larven oder die Königin beschaffen. Kein Wunder, dass vieles, was wir im Sommer gerne im Freien verspeisen und was für die Wespen vermeintlich frei verfügbar und einladend  auf dem Tisch herumsteht, eine magische Anziehungskraft auf die ausgehungerten Akkordarbeiter ausübt.

Richtiger und falscher Umgang mit Wespen

Gestochen werde ich bei solchen Rettungsaktionen übrigens nie. Wespen stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel aber normalerweise bringt man sie erst durch den Versuch sie zu vertreiben so richtig in Angriffsstimmung. Nicht nur fuchteln und wild um sich schlagen reizt die Insekten bis aufs Blut, sie anzupusten ist auch nicht ratsam. Beim Ausatmen wird  nämlich Kohlendioxid freigesetzt, für die Wespen eine Art Alarmsignal. Ich nenne diese Handlungsweise  “um einen Stich betteln”.  Die Wespe reagiert instinktiv auf jede Bedrohung mit ihrem Giftstachel und da sie diesen, anders als die Bienen,  öfter einsetzen kann, ohne dabei ihr Leben zu verlieren, ist die Reizschwelle niedriger.

Solange die kleinen Nervensägen jedoch nur lästig herumschwirren, ist ruhig bleiben oder eine alternative Nahrungsquelle anbieten die bewährteste Strategie. Überreife Weintrauben lieben sie besonders, ein paar von den Früchten neben dem Esstisch oder Grillplatz platziert macht Mensch wie Wespe glücklich, denn beide können in Ruhe verspeisen, was ihnen schmeckt.

Wespen helfen uns!
Keine Angst vor diesem schönen Tier! Foto: (c) frei / pixabay

Diese Schwebfliege „verkleidet“ sich sogar als Wespe! Foto: (c) frei / pixabay

Auch sonst spricht vieles dafür, die ungebetenen Gäste am Tisch nicht gleich mit Mordlust zu verfolgen. Wie Bienen haben diese toughen Organisationstalente eine wichtige Funktion in unserem Ökosystem. Ein Wespenstaat kann bis zu 2 kg Insekten pro Tag vernichten, die fleißigen Jäger sind zum Beispiel auch natürliche Feinde der Zecken.  So bekämpfen sie effizient und auf natürliche Weise unliebsame Schädlinge, da sie ihre Larven mit zerkauten Insekten füttern. Neben der Funktion als Gesundheitspolizei im Garten bestäuben sie, genau wie ihre beliebten Verwandten, die Bienen, auch Blütenpflanzen. Ein Sommer ohne Wespen wäre für uns daher wesentlich unangenehmer als der Sommer mit ihnen.

Wespen sind friedliebender als ihr mieses Image vermuten lässt. Einige Arten, wie die Mittlere Wespe, stehen sogar bereits auf der Roten Liste der bedrohten Arten, weil sie immer wieder grundlos vertrieben werden und man ihre Nester vernichtet. Eine oft überflüssige Maßnahme, denn bei frei hängenden Nestern handelt es sich um die Bauten harmloser Wespenarten, die weder an unseren Speisen interessiert sind noch durch aggressives Verhalten auffallen. Wie jedes Lebewesen sind sie darauf bedacht, ihren Nachwuchs zu schützen und so reicht es völlig aus, die Einflugschneise freizuhalten und hektische Bewegungen in der Nähe zu vermeiden.

Wespen sind unsere Freunde

Ich gebe zu, besonders in diesem Sommer gehöre ich als bekennende Wespenfreundin  einer unverstandenen Minderheit an 🙂. Trotzdem würde ich jedem gern ans Herz legen, sich im Bezug auf Wespen ein bisschen erwachsener zu verhalten. Die ungeliebten Störenfriede sind ein wichtiger Teil unseres Ökosystems, Schädlingsbekämpfer, Blütenbestäuber, Gesundheitspolizei im Garten, sie arbeiten hart, sorgen gewissenhaft für ihre Königinnen und den Nachwuchs, stechen nur, wenn sie sich angegriffen fühlen und lieben nun einmal Süßes. Eigentlich ganz sympathisch. Was ihnen fehlt, wäre einfach etwas freundlichere Publicity.

 

Über Bettina Marie Schneider:   Die ehemalige Flugbegleiterin ist 53 Jahre alt und konnte sich durch ihren Beruf ein Bild über die Lebensbedingungen von Tieren in der Welt machen. Viel Leid und Elend ist ihr dabei begegnet. Heute schreibt die engagierte Tierschützerin in ihrem eigenen Blog „Gutes-Karma-to-go“ über die facettenreichen Themen des Lebens. Darüber hinaus bloggt sie für die Huffington Post und beim Schweizer Magazin 50+.

Wir danken unserer Gastautorin für diesen schönen Artikel.

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