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Delfin-Lagune Nürnberg: Delfinqualstätten gehören geschlossen – Das Experteninterview

Delfin-Lagune Nürnberg: Delfinqualstätten gehören geschlossen – Das Experteninterview

Die Delfin-Lagune im Nürnberger Tiergarten sollte aus zahlreichen Gründen besser für immer geschlossen werden. Warum dies so ist, das erläutert PETA50Plus im Gespräch mit Dr. Edmund Haferbeck.

Delfin-Lagune Nürnberg: Delfinqualstätten gehören geschlossen – Das Experteninterview

Delfine in Freiheit genießen das Meer, die frische Luft und das Leben. Im Delfinarium wird ihnen alles genommen, was ihr natürliches Leben ausmacht. Sie können weder mit Artgenossen in den Wellen spielen, noch in der Strömung treiben; anstelle von Sand gibt es nur Beton. Sie können nicht so tief tauchen, wie sie möchten, und mit drei Flossenschlägen haben sie bereits das Beckenende erreicht. Statt Spielen und Jagen im offenen Meer wird nur „gespielt“, wenn der Pfleger zur „Showtime“ pfeift. Und auch nur, weil toter Fisch gefüttert wird. In Indien wurden die schlauen Delfine bereits als „nicht- menschliche Personen“ anerkannt – ein zukunftsweisender Schritt.

Im Nürnberger Tiergarten können die Tiere nichts von alledem erleben, was sie so sehr brauchen.

 

PETA50Plus sprach mit dem Experten Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschaftsabteilung bei PETA Deutschland e.V. über die aktuelle Situation im Tiergarten Nürnberg.

Das Interview
Der Experte im Gespräch über die Delfine in Nürnberger Tiergarten. Foto: (c) PETA

Der Experte im Gespräch über die Delfine im Nürnberger Tiergarten. Foto: (c) PETA

PETA50Plus: PETA kämpft für die Schließung des Delfinariums in Nürnberg. Warum?

Dr. Haferbeck: Delfinarien sind immer eine immense Tierquälerei für die hochintelligenten Meerestiere. Schon die erheblichen Todeszahlen der Tiere in den Delfinarien sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Diese Erkenntnis setzt sich eigentlich auch immer mehr im Zoo- und Freizeitgeschäft durch, immer mehr Delfinarien werden geschlossen, auch in Deutschland. Nur noch zwei existieren bundesweit, Duisburg und Nürnberg, wobei Nürnberg besonders hervorzuheben ist, da dieses Delfinarium als „Blaue Lagune“ völlig neu errichtet wurde. Aus internen Papieren geht hervor, dass der vordringliche Grund für den Neubau das sinkende Interesse der Menschen an einem Zoobesuch in Nürnberg war. Man musste neue Angebote schaffen, um die Tiere geht es bei diesen Entscheidungen weniger.

PETA50Plus: Welche Teilerfolge konnten bisher schon von PETA auf dem Weg zur Schließung erzielt werden?

Dr. Haferbeck: PETA hat zwischenzeitlich ernsthafte Mängel beim Bau der Lagune aufgedeckt, die erhebliche Umweltschäden verursacht haben. Salzwasser ist in großen Mengen ausgetreten, in der Nähe ist ein Naturschutzgebiet. Diese Ermittlungsleistung wird von den zuständigen Behörden bestätigt. Die Situation wird derzeit von offizieller Seite geprüft.

PETA50Plus: Was vermuten Sie Herr Dr. Haferbeck, warum ist das Interesse der Stadt so groß, das Delfinarium unbedingt zu halten?

Dr. Haferbeck: Der Nürnberger Tiergarten leidet unter zurückgehenden Besucherzahlen und musste bereits die Eintrittspreise erheblich erhöhen. Mit der Lagune will man die Attraktivität des Tiergartens erhöhen. Auch ein kommunaler Tierpark muss wirtschaftlich geführt werden. Doch Geschäfte mit Tieren sind fast immer ethisch verwerflich und für die Tiere nachteilig. Es ist viel Geld in den Bau der Lagune geflossen, finanziert aus öffentlichen und damit Steuergeldern. Muss das Gebäude für immer geschlossen werden, ist das eine große Einbuße. Eine Sanierung wird circa 9 Monate kosten, die Tiere müssen in andere Zoos „ausgelagert“ werden – hier entstehen weitere Kosten und damit ein Minus im siebenstelligen Bereich.

PETA50Plus: Wie ist die rechtliche Situation zum Thema? Verstößt der Zoo mit seiner derzeitigen Delfinhaltung gegen das Deutsche Tierschutzrecht?

Dr. Haferbeck: Das deutsche Tierschutzrecht ist schwach, die Delfinhaltung in Nürnberg ist zulässig, zumal man sich dort selbst kontrolliert. Doch dürften erhebliche Verstöße im Umweltbereich durch bauliche Mängel der Lagune bewiesen sein, da sie bis heute nicht abgestellt worden sind. Wenn eine technische Anlage Mängel aufweist und nicht funktioniert, muss dies korrigiert werden. Dies ist bis heute in Nürnberg unterblieben. Auch die Tiere müssen teilweise unter diesen baulichen Mängeln leiden. Derzeit ist zum Beispiel der Wasserspiegel in der Lagune gesenkt worden, damit angeblich kein Salzwasser mehr in das naheliegende Naturschutzgebiet fließen kann.

PETA50Plus: Die Nürnberger Delfine leben in einem trostlosen Betonbecken. Was können engagierte Bürger unternehmen, die auch für die Schließung des Delfinariums sind?

Dr. Haferbeck: Tiergärten mit solchen Delfinquälerstätten dürften gar nicht mehr aufgesucht werden. Es kann – auch für Kinder – kein Interesse daran bestehen, diese großartigen Tiere in trüber Gefangenschaftshaltung zu sehen. Es ist einfach nur trostlos und dies sollte keine Unterstützung finden. Letztendich haben die Menschen großen Einfluss auf solche Einrichtungen. Wenn niemand mehr hingeht, werden sie geschlossen werden.

Die Redaktion bedankt sich für das Gespräch.

Weitere Informationen

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