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Belebte Wege: Karen Porreca – gelebtes Tierrecht

Belebte Wege: Karen Porreca – gelebtes Tierrecht

Nichts geht vorbei an Karen Porreca: Lektorin, Aktivistin und Mitglied des Augustus Club

Belebte Wege: Karen Porreca ist gelebtes Tierrecht. Der Augustus Club von PETA ist eine Ergänzung, um die Menschen zu ehren, die den Tieren ein Erbe durch eine geplante Schenkung an PETA hinterlassen. Die Mitglieder des Clubs erhalten vierteljährlich einen Newsletter sowie Einladungen zu besonderen Veranstaltungen das ganze Jahr hindurch. Karen Porreca ist nicht nur Mitglied im Augustus Club – sie gehört auch zu den langjährigsten Mitarbeitern von PETA.

Da Karen ein regelrechtes Archiv der Geschichte von PETA ist, dachten wir uns, Mitglieder des Augustus Club wie Sie, die bereitwillig etwas aus ihrem Leben geben, um den Tieren zu helfen, würden vielleicht gerne ihre Perspektive darüber hören, wie sich PETA über die Jahre hinweg entwickelt hat.

Wir hoffen, unser Interview mit Karen gefällt Ihnen. Für alle anderen Mitglieder des Augustus Club hat Karen diese Botschaft: „Ich schätze mich so glücklich, fast mein ganzes Arbeitsleben lang im Dienst der Tierrechte verbracht zu haben und ich bin so dankbar für all die großzügigen Unterstützer von PETA, die diese Arbeit ermöglichen.“

 

Karren Porreca im Gespräch über Tierrechte und PETA

Seit wann arbeitest du bei PETA?

Ich habe 1986 bei PETA angefangen. Zu der Zeit war die Organisation erst 6 Jahre alt. Ich war mit meinem damaligen Ehemann, Harald Ullmann, nach Deutschland gezogen. Dann sahen wir die Stellenausschreibung von PETA in der Zeitschrift The Animals’ Agenda und flogen beide zurück in die USA für ein zweiwöchiges Bewerbungsgespräch.

PETA hielt damals eine monatelange Mahnwache an den National Institutes of Health (NIH), um auf die Übergabe der „Silver Spring-Affen“ an eine Auffangstation zu drängen. Die Affen stammten aus einem Labor, das nach PETAs erster verdeckter Ermittlung überhaupt geschlossen worden war. Mein Bewerbungsgespräch mit Ingrid fand vor dem NIH-Gelände auf dem Bordstein statt.

Harald und ich wurden eingestellt. Niemand hätte damals ahnen können, dass ich 28 Jahre später noch immer bei PETA sein und Harald schließlich der 2. Vorsitzende von PETA Deutschland werden würde.

 

Was war dein erster Job bei PETA?

Unser Arbeitsplatz war eine kleine Lagerhalle in Kensington, Maryland. Es gab 28 Mitarbeiter. Ich arbeitete mit zwei anderen Personen in der Poststelle. Wir packten Bestellungen von Werbe- und Infomaterial zusammen und beantworteten Anfragen. Wir schrieben damals noch fast alle Briefe per Hand!

 

Wie hat sich daraus die heutige Bibliothek von PETA entwickelt – die weltweit größte Bibliothek für Tierrechtsliteratur, wie kam das zu Stande?

Nach einem Jahr in der Poststelle fing ich in einer Abteilung namens “Forschung & Recherche“ an. Ich organisierte all unsere Recherchematerialien, also Zeitschriften, Bücher und Artikel, in einem bestimmten System und daraus wurde dann die Bibliothek. Ein oder zwei Jahre später wurde die Bibliothek zu einer eigenen Abteilung, die ich leiten durfte. Ungefähr zur gleichen Zeit fing ich auch an, unsere schriftlichen Materialien Korrektur zu lesen und zu überarbeiten.

Die folgenden 20 Jahre waren die Blütezeit unserer Bibliothek. Es gab schließlich noch kein Internet und so war die Bibliothek für fast jede Abteilung bei PETA eine wichtige Informationsquelle. Außerdem erhielten wir immer viele Anfragen von außen, von den Medien, von Studenten, Aktivisten, Mitgliedern und so weiter.

Als dann das Internet und Amazon kamen, wurden Informationen viel leichter online zugänglich und man kam auf einmal einfacher an fachspezifische Bücher, nach denen man sonst mühsam suchen musste. So wurde unsere Bibliothek immer weniger gebraucht und wir schlossen sie schließlich, um Platz für andere Abteilungen zu schaffen, die weiter wuchsen.

Ich bin jetzt Abteilungsleiterin für alle schriftlichen Projekte, die überarbeitet werden oder in anderen Sprachen veröffentlicht werden sollen. In meiner Abteilung werden alle Dokumente, die PETA veröffentlichen möchte, korrigiert und überarbeitet sowie ein Großteil der Materialien unserer internationalen Schwesterorganisationen. Darunter fallen sowohl Online- als auch Druck-Materialien, wie Infomaterial, Jahresberichte, Newsletter, Anschreiben an unsere Mitglieder und vieles mehr.

 

Für welche Erfahrungen während deiner Zeit bei PETA bist du besonders dankbar?

Fremdsprachen waren mein Hauptfach im College, deshalb freue ich mich sehr, mein sprachliches Können zu nutzen, um Materialien in anderen Sprachen zu überarbeiten. Ich habe oft Gelegenheit dazu, da unsere Arbeit mittlerweile sehr international geworden ist. Ich korrigiere auch die Internetseiten und anderen Materialien für PETA Frankreich und PETA Niederlande. Vor kurzem habe ich sogar angefangen, Chinesisch zu lernen, da PETA Asien so schnell wächst und mehr und mehr Texte für die Website benötigt.

Ich bin außerdem stolz darauf, einen einheitlichen Schreibstil für alle PETA-Korrekturen entwickelt zu haben. Die hohe Qualität unserer schriftlichen Materialien hat enorm dazu beigetragen, dass PETA den Ruf einer professionellen, glaubhaften und kompetenten Organisation hat.

Ein Jahr lang schrieb ich zudem einen Blog mit dem Titel „KP’s Dog Blog“ für PETA. Ich habe selbst über die Jahre hinweg mit vielen Hunden zusammengelebt und immer mit einer ganzheitlichen Gesundheitspflege und gewaltfreien Trainingstechniken gearbeitet. Deshalb war es wirklich toll für mich, mein ganzes Wissen und meine Erfahrungen mit Hunden in dieses Projekt zu stecken. Ich war wirklich stolz, Menschen darüber zu informieren, wie sie ihre Hunde human, holistisch und mit Respekt für die Rechte des Tieres behandeln können.

 

Was macht PETA deiner Meinung nach zu einer effektiveren Organisation als viele andere in dem Bereich?

Unsere Furchtlosigkeit (die kommt von oben, von Ingrid) und unser Wille, Themen anzugehen, die niemand sonst angehen will. Zum Beispiel Themen wie Taubenrennen; Schlachthäuser für Krustentiere, in denen Hummern und Krabben die Gliedmaßen abgerissen werden; das schmerzhafte Enthornen von Kühen in der Milchindustrie; die Angora-Produktion, bei der lebendigen Kaninchen das Fell abgezogen wird, usw. Die meisten Menschen haben über diese Themen noch nie nachgedacht bis sie von PETA aufgedeckt wurden. Wir scheuen uns auch nicht, unbequeme Positionen einzunehmen oder uns für unbeliebte Tiere einzusetzen. Wir versuchen immer das zu tun, was im größten Interesse der Tiere ist, ohne dabei über unsere eigene Beliebtheit nachzudenken. Wir haben auch eine sehr hohe Arbeitsmoral (auch diese wird von Ingrid gesetzt). Wenn man ein Faulpelz ist, hat man bei PETA nichts zu suchen.

Und es gibt noch so viele andere Faktoren: Unser Humor und unser einmaliges Talent dafür, Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Thema zu ziehen; wir blicken stets in die Zukunft und nutzen neue Technologien wie die sozialen Medien und wir schaffen es immer wieder, den Nerv der Popkultur zu treffen, damit die Menschen über Tierrechtsthemen sprechen. Als wir z.B. aus dem Werbeslogan „got milk?“ unsere Version “got beer?” machten, sprangen die Medien wie verrückt darauf an und es war das erste Mal überhaupt, dass der Missbrauch von Tieren in der Milchindustrie in den Fokus der nationalen Medien rückte.

 

Deine Kollegen sagen, du seist die Art von Person, die niemals still ist, wenn es darum geht, sich für die Tiere einzusetzen. Könntest du unseren Lesern einige Situationen beschreiben, die ihnen vielleicht helfen, sich auch für die Tiere stark zu machen?

Wenn ich mit meinen Hunden am Strand spazieren gehe, begegne ich manchmal Menschen, die ihren Hunden Dinge antun, die ihnen schaden. Ich spreche es immer an, aber der Trick ist, dabei diplomatisch zu bleiben. Wenn ich also z.B. einen Hund mit einem Elektrohalsband sehe, beginne ich ein Gespräch mit dem Halter. Nach ein oder zwei Minuten sage ich dann: „Ich frage mich, warum eine so nette Person wie Sie ihrem Hund ein Elektrohalsband anlegen sollte.“ Die Antwort lautet meist, dass der Hund sonst nicht auf Zuruf herkommen würde. Ich erkläre dem Halter deshalb, dass Elektrohalsbänder nicht nur einen kurzen Moment des Schmerzes verursachen, sondern in dem Hund auch die ständige Angst wecken, niemals zu wissen, wann der nächste Impuls erfolgt. Dann bringe ich dem Hund vor den Augen des Halters bei, auf Zuruf herzukommen.

 

Wie machst du das?

Wenn ich mit meinen Hunden an den Strand gehe, habe ich immer einen Beutel mit Leckerlis dabei. Also gebe ich dem Hund der Person auch ein paar Leckerlis (ich frage natürlich vorher um Erlaubnis). Wenn der Hund sich dann entfernt, rufe ich ihn und er kommt sofort zu mir zurück. Viele Menschen sind dann ganz erstaunt und sagen: „Er kommt nie zu mir, wenn ich ihn rufe.“ Ich frage dann: „Haben Sie Leckerlis einstecken?“ Sie verneinen und ich antworte: „Naja, mehr ist gar nicht nötig! Man braucht keine Elektrohalsbänder, nur einen Beutel voll mit den Leckerlis, die Ihr Hund am liebsten isst.“

 

Und die Menschen nehmen deinen Rat an?

Ich freue mich, dass sie ihn oft annehmen – manchmal sehe ich die gleichen Leute wieder am Strand und ihre Hunde tragen dann nicht mehr diese schrecklichen Halsbänder.

 

In solchen Situationen etwas zu sagen, kann einem manchmal etwas Angst machen. Woher nimmst du deine Motivation, doch etwas zu tun?

Ich stelle mir immer die Frage: „Wenn ich nichts sage, wer dann?“ Das könnte die einzige Chance für diesen Hund sein, dass sich etwas bessert. Und aus meiner persönlichen Erfahrung heraus weiß ich, dass oft schon ein kurzer Kommentar von einer anderen Person etwas verändern kann. Als z.B. meine Hunde Sunny und Dexter noch jünger waren, hat Sunny Dexter am Strand manchmal richtig angegriffen und Dexter hat es einfach so hingenommen, weil er Sunny vergötterte. Ich habe damals nicht eingegriffen, weil ich dachte, sie würden es unter sich ausmachen. Eines Tages lief eine Frau an mir vorbei und beobachtete, was Sunny tat. Sie rief mir zu: „Warum lassen Sie Ihren Hund das tun? Er muss damit aufhören!“ Das war ein echter Weckruf für mich. Ich fing an, in solchen Situationen einzugreifen und schon bald hörte das Verhalten auf. Deshalb bin ich dieser Frau wirklich dankbar dafür, mir die andere Seite gezeigt zu haben.

 

Du bist Mitglied im Augustus Club. Warum hast du dich dafür entschieden, PETA in deine Vermögensplanung einzuschließen?

Ja, ich vererbe PETA in meinem Testament mein Haus. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie viele Erfolge durch die Unterstützung der Mitglieder des Augustus Club für die Tiere möglich wurden. Deshalb bin ich stolz darauf, dazuzugehören (übrigens bin ich auch Mitglied der Vanguard Society). Es macht mich glücklich zu wissen, dass mein Besitz die Arbeit von PETA stärken wird, wenn ich nicht mehr da bin.

Weitere Informationen zum Thema

PETA50plus.de/testament-und-vollmachten-schon-daran-gedacht/ 

PETA.de/foerdermitgliedschaft

 

Wir danken Karen Porreca für das Gespräch und den Einblick in ihre Gedanken.

Über „Belebte Wege“: „Belebte Wege“ ist eine Artikel-Reihe exklusiv bei PETA50plus.de. Vorgestellt werden Menschen und ihr persönliches Engagement für Tierrechte, ihre Erkenntnisse über ein bewusstes Leben und ihre Erfahrungen mit der veganen Lebensweise. Wir interessieren uns für die Menschen der Generation 50plus – für ihr Denken und Handeln.

Auch Sie leben bewusst und engagiert? Senden Sie uns eine E-Mail mit Foto an SylvieB@peta.de – vielleicht sind Sie schon bald im Rahmen unserer Serie hier im persönlichen Portrait zu sehen.

 

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