Für Tierfreunde im besten Alter

Belebte Wege: Der „Water-Footprint“ von Milch

In der Artikel-Serie „Belebte Wege“ berichten wir einmal im Monat über Menschen, die der Generation 50Plus angehören und uns über sich, ihr bewusstes Leben und ihr Engagement für Tierrechte und die Umwelt berichten. Diesen Monat machen wir eine Ausnahme und stellen den jungen Wissenschaftler Markus Berger in den Fokus des Artikels. Markus Berger hat uns Interessantes über ein unglaublich spannendes Thema zu berichten.

In seinem Spezialbereich dem „Water Footprint“ – also dem „Wasserfußabdruck“ eines Lebensmittels – forscht Markus Berger an der Technischen Universität Berlin. Schon seit Langem beschäftigt sich der Wissenschaftler mit diesem Themenkomplex; seine Doktorarbeit hat er über zukunftsweisende Fragen im Fachgebiet „Sustainable Engineering“ am Institut für Technischen Umweltschutz geschrieben.

Wer sich morgens Milch ins Müsli oder in den Kaffee gießt, der denkt wahrscheinlich nicht an drohende Umweltprobleme – zum Beispiel daran, dass laut den Vereinten Nationen im Jahr 2025 zwei Drittel der Weltbevölkerung unter Wasserknappheit leiden werden. Der Müsliesser und Kaffeetrinker wird sich nicht darüber bewusst sein, dass er gerade einen riesigen Wasserfußabdruck hinterlässt – den sogenannten „Water Footprint“.

Derzeit werden in Deutschland ca. 5 Millionen „Milchkühe“ gehalten, von denen jede rund 7.000 Liter Milch pro Jahr gibt. Das bedeutet einen Wasseraufwand, der jeden Taschenrechner sprengt. Hinzu kommt natürlich das Leid der „Milchkühe“, denn die Intensivtierhaltung der modernen Landwirtschaft strebt danach, eine maximale Menge an Fleisch und Milch so schnell und billig wie möglich zu produzieren – und das bei minimaler Platzanforderung. Kühe und Kälber werden in kleinen Käfigen, Ställen oder Boxen gehalten – oft so beengt, dass sie sich kaum umdrehen können. Die Milch der Mutter, die für das Kälbchen gedacht ist, wird den Tieren geraubt, damit der Mensch sie trinken kann. Die Kälbchen hingegen werden mit einem Milchersatz gefüttert. Im Alter von 16 Wochen werden die männlichen Tiere geschlachtet. In den USA stirbt jedes zehnte Kalb jedoch bereits während der Mastzeit in der Box. Zwar gibt es für Deutschland hierzu keine offiziellen Statistiken, doch die Zahlen dürften denen der USA sehr ähnlich sein. Kühe, die ihrer Milch wegen gehalten werden, werden kontinuierlich geschwängert; die Kälber werden ihnen weggenommen und an Kalbfleischfarmen oder andere Milchfarmen abgegeben. Produzieren die ausgemergelten Körper der „Milchkühe“ nicht länger genügend Milch, landen die Tiere beim Schlachter.

Jeder einzelne von uns ist Teil der Umwelt und trägt Verantwortung – nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere Lebewesen. Das Handeln des Einzelnen trägt in der Gesamtheit zu Veränderungen bei. Dies können positive oder negative Veränderungen sein – je nachdem, wie der Großteil der Bevölkerung denkt und handelt. Der erste Schritt zu einer positiven Veränderung ist das Bewusstwerden, darauf folgt das Nachdenken und dann das Handeln.

 

Für PETA50plus.de hat sich der Wissenschaftler Markus Berger Zeit genommen und uns 5 Fragen beantwortet.

 

5 Fragen an den Wissenschaftler Markus Berger:

 

Der "Water Footprint"- Experte Markus Berger. Foto: (c) privat

Der „Water Footprint“- Experte Markus Berger. Foto: (c) privat

Herr Berger, Sie beschäftigen sich intensiv mit dem Thema „Water Footprints“. Wie viele Liter Wasser benötigt man für die Produktion von 1 Liter Milch und warum?

Der Wasserfußabdruck für die Milch beinhaltet zum einen den direkten Verbrauch der Kuh und der Milchherstellung – also das Wasser, das die Kuh trinkt, das im Kuhstall zur Reinigung genutzt wird und das in der Molkerei verbraucht wird. Zum anderen berücksichtigen wir aber auch das Wasser, das bei der künstlichen Bewässerung der Futterpflanzen verbraucht wird. Im Durchschnitt kommen wir so auf einen Wasserverbrauch von 15 Litern Wasser pro Liter Milch. Wenn auch das Wasser berücksichtigt wird, dass durch die Milchproduktion verschmutzt wird – insbesondere durch das Auswaschen von Düngemitteln in der Landwirtschaft –, ergibt das einen Wasserfußabdruck von 150 Litern pro Liter Milch. Wenn auch noch das Regenwasser mitgezählt wird, dass die Futterpflanzen der Kühe (Gras, Mais etc.) verdunsten, käme man sogar auf einen Wasserfußabdruck von 1.000 Litern pro Liter Milch. Eine solche Betrachtung halten wir allerdings für unseriös, da Regenwasser auch von natürlichen Ökosystemen verdunstet wird.

 

Wasser ist ja nicht gleich Wasser – wie sollte man Wasser gewichten, damit die Berechnung wirklich realistisch ist? Denn es macht ja einen Unterschied, ob Wasser in Nordeuropa verbraucht wird oder z. B. in Südspanien oder Afrika.

Das ist richtig. Ein Wasserfußabdruck, bei dem nur die Liter zusammengerechnet werden, ist unvollständig, da Volumina noch nichts über die daraus resultierenden Konsequenzen aussagen. Wir verwenden daher lokale Gewichtungsfaktoren, die aussagen, wie „schlimm“ ein Wasserverbrauch in einer bestimmten Region ist. Neben der lokalen Wasserknappheit wird darin beispielsweise auch der Wohlstand der Bevölkerung berücksichtigt. Das ist wichtig, da z. B. die Wasserknappheiten in Südspanien und Somalia vergleichbar sind – die daraus resultierenden Folgen für die Menschen sind es leider nicht.

 

Wie wichtig ist es für die Zukunft, dass die Menschen ein Bewusstsein für den „Water Footprint“ entwickeln?

Ich halte es für wichtig, dass die Konsumenten erfahren, dass selbst die Herstellung einfacher Lebensmittel, wie Milch, in verschiedensten Teilen der Welt relevante Auswirkungen haben kann. Vielleicht kann auch das einen Beitrag dazu leisten, die Verschwendung und das Wegwerfen von Lebensmitteln einzudämmen. Die beeindruckenden Literzahlen des Wasserfußabdrucks können da sicher helfen, das Bewusstsein der Verbraucher für die Problematik zu schärfen.

 

Natürlich verbraucht auch die Produktion von veganen Nahrungsmitteln Wasser. Auf was können Verbraucher im Alltag achten, um mit einer möglichst guten Wasserbilanz zu haushalten bzw. diese zu erreichen?

Vegane Lebensmittel erreichen nicht die extrem hohen Wasserfußabdrücke von Fleisch (z. B. 15.000 Liter pro Kilo Rindfleisch); dennoch können deren Auswirkungen kritisch sein. So resultieren 95 % des Wasserverbrauchs des Rindfleischs aus der Verdunstung von Regenwasser beim Anbau der Futterpflanzen in überwiegend wasserreichen Ländern. Für die Bewässerung von Tomaten aus Spanien oder Nüssen und Pistazien aus dem Iran wird hingegen wertvolles Grundwasser in extrem wasserknappen Gebieten verbraucht. (…) Bewusstes Einkaufen veganer Produkte ist hier gefragt, um eine gute Wasserbilanz er erreichen.

Es gilt die Empfehlung „Saisonal & Regional“. Wer also beim Kauf seiner Lebensmittel darauf achtet, dass es sich um lokale und zur jeweiligen Jahreszeit produzierte Nahrungsmittel handelt, kann einen wichtigen Beitrag zum Klima- und zum Wasserschutz leisten.

 

Welche Botschaft liegt Ihnen zum Thema Ihrer Doktorarbeit besonders am Herzen? Was möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Eine „Botschaft“ wäre vielleicht etwas dick aufgetragen. In Anbetracht von mehr als 1 Milliarde Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, möchte ich aber darauf aufmerksam machen, welche großen Wassermengen zur Herstellung unserer täglichen Produkte verbraucht werden. Weiterhin arbeiten wir daran, die lokalen Konsequenzen des Wasserverbrauchs präziser zu bewerten. Auf diese Weise möchten wir Entscheidungsträgern in Politik und Industrie die Möglichkeit geben, die Auswirkungen von Wasserverbräuchen in globalen Wertschöpfungsketten zu analysieren. Hoffentlich kann das dazu beitragen, kritische Wasserverbräuche in wasserknappen Gebieten der Erde aufzudecken und gezielte Maßnahmen zu ergreifen. So sollten Firmen vielleicht weniger darauf achten, den letzten Liter Wasser in Deutschland zu sparen, sondern eher effiziente Technologien bei Lieferanten in wasserknappen Ländern unterstützen. Es würde aber auch schon helfen, wenn jeder Einzelne auf lokale und saisonale Tomaten, Äpfel und andere vegane Produkte achtet …

 

Wir danken Markus Berger sehr herzlich dafür, dass er sich die Zeit genommen hat, mit uns zu sprechen und unsere Fragen zu beantworten.

 

Mehr Informationen zum Thema finden Sie hier:

 

PETA.de/web/klimawandel

PETA.de/web/umwelt

PETA.de/web/veganismus

 

Der Umstieg auf die vegane Lebensweise ist in jedem Alter spielend leicht! Wir helfen Ihnen gerne dabei.

 

PETA50plus.de/veganstart-jetzt-mitmachen

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