Für Tierfreunde im besten Alter

Barbara Rütting im PETA-Interview

Mit Messer und Gabel schützen wir Mensch, Tier und Umwelt.

Barbara Rütting war seit Beginn Mitglied von „Bündnis 90/Die Grünen“ und engagierte sich schon immer sehr stark für den Tierschutz. Viele politische Bemühungen ihrer Partei gehen ihr nicht weit genug und so entschied sie sich dazu den Menschen nach ihrer politischen Karriere als Autorin ein positives Lebensgefühl und ein respektvolles Miteinander näher zu bringen. In ihrem Buch Was mir immer wieder auf die Beine hilft (123 Seiten, Nymphenburger Verlag; ISBN-Nr: 978-3485013734) berichtet sie davon, wie sie nach ihrem Burnout wieder auf die Beine kam und auch wie sie zum Thema Tierschutz steht. Für PETA beantwortete Frau Rütting einige Fragen:

Barbara Rütting und Hund Nela im Garten.

Barbara Rütting und Hund Nela im Garten.

Ernährung ist ein Politikum! Frau Rütting, können Sie diese Aussage aus Ihrem Buch einmal genauer erläutern?

„Mit Messer und Gabel schützen wir Mensch, Tier und Umwelt“ lautet der Titel eines meiner Vorträge. Was wir konsumieren ist durchaus keine Privatsache – denn wir tragen schon mit unserer Kaufentscheidung dazu bei, ob diese Welt noch zu retten ist oder zugrunde geht. Jede/r muss sich das bewusst machen.

Ich habe seit jeher die Peta-Aktionen unterstützt, auch wenn sie umstritten waren. Einem eingesperrten und gequälten Lebewesen muss ich helfen, egal ob Mensch oder Tier. Ich würde daher nicht vor einem aufgebrochenen Schloss zurückschrecken – Gewalt gegen Menschen sollte dabei selbstverständlich ausgeschlossen sein. Sogar konventionelle Tierschutzvereine fordern auf, in Autos bei großer Hitze eingesperrte Hunde  vor dem Verdursten zu retten und das Fenster einzuschlagen. Von Privatpersonen unterlassene Hilfeleistung wird als Tierquälerei bestraft,  die grauenvollen, sinnlosen Tierversuche hingegen, die so genannte Wissenschaftler  angeblich zum Wohl des Menschen – noch dazu mit unseren Steuergeldern! –  machen, werden  belohnt.

Alles was wir tun ist politisch, ebenso  das, was wir nicht tun. Kürzlich in einer Fernsehtalkshow sagte ich zu einem ebenfalls eingeladenen Fußballstar, wie traurig ich es finde, dass die Fußballer es nicht fertig bringen, durch Boykottdrohungen gegen die WM das entsetzliche Massaker an zigtausenden von Straßenhunden in der Ukraine zu verhindern. Darauf die Moderatorin: „Die haben noch ganz andere Probleme.“ Ich antwortete: „Ja, natürlich Julia Timoschenko. Was wieder einmal beweist, Tier- und Menschenschutz gehören zusammen, sind untrennbar.“ Wie der alte Indianerspruch schon sagt: Was immer den Tieren geschieht, geschieht  bald auch den Menschen. Zuerst werden die Tiere gequält, dann die Menschen – und dann werden Bomben geworfen.

Ich bin selbstverständlich unter anderem auch für ein Totalverbot von Tierversuchen.

Können wir uns als Verbraucher überhaupt aus dem Kreislauf der Produktionsprozesse herausnehmen oder welche Optionen bleiben uns?

Ebenso wie Gesundheit ein Informationsproblem ist, so ist es das Kaufverhalten. Allerdings genügt die Information oft nicht, man muss dann auch entsprechend handeln. So höre ich häufig: „Ich esse auch nur noch ganz wenig Fleisch, und wenn, dann von der Pute.“ Als ob die Puten weniger gequält würden als andere in Massenhaltung dahin vegetierende Lebewesen. Oder: „Die armen Hühner in den Legebatterien!“ Auf meine Frage, warum kaufen Sie dann Eier dieser gequälten Hühner, nämlich die mit der Nummer 3, erhalte ich die Antwort: „Die nehme ich ja nur zum Backen!“  

PETA setzt sich auch für die Einführung einer Fleischsteuer, bzw. zumindest für eine Aufhebung der subventionierten tierischen Lebensmittel, ein. Wie ist Ihre Haltung dazu?

Eine Fleischsteuer ist das Wenigste, was eingeführt gehört. Ich bin absolut für die Aufhebung der Subventionen für tierliche Lebensmittel. Das Ziel sollte natürlich eine vegane  Gesellschaft sein.

Von welchen Menschen haben Sie den meisten Rückhalt erfahren während Ihrer schweren Zeiten?

Von welchen Menschen? Da fällt mir keiner ein. Von Menschen  habe ich nur gehört: lass das doch nicht alles so an Dich ran, mach Dich doch damit nicht kaputt, schau einfach nicht mehr hin,…

Nur meine Tiere haben mich verstanden.

Gab es ein ganz konkretes Ereignis, einen Wendepunkt im Leben, an dem Sie die bisherige vegetarische Lebensweise plötzlich mit anderen Augen gesehen haben?

Ich habe 40 Jahre vegetarisch vollwertig gelebt, aber noch mit Milchprodukten und Eiern und meinte, das genügt. Musste aber zusehends erkennen, dass ich damit auch zur Massentierhaltung und zum Klimawandel beitrage. Die existierenden Rezepte waren zudem entweder vollwertig oder vegan, aber nie beides. Als ich gefragt wurde, ob ich das Vorwort für ein vollwertiges veganes Kochbuch schreiben würde, sagte ich spontan zu und stellte meine Ernährung gleich in Richtung vegan um – allerdings zu krass. Es gab regelrechte Entzugserscheinungen, die gehören nach einem Jahr der Vergangenheit an und ich habe ein gutes Gewissen mir selbst, den Tieren und der Umwelt gegenüber.

Ich fühle mich als ein zwar kleines, aber wichtiges Glied der großen Weltgemeinschaft, zu deren Gesundheit und Glück ich beitragen kann.

Vielen Dank für das Interview Frau Rütting!

 

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