Für Tierfreunde im besten Alter

Tierrechtliche Poesie: Ansichten einer Kuh

Tierrechtliche Poesie: Ansichten einer Kuh

Sieh mich an! Zum Tode verurteilt stehe ich hier vor Dir. Kenne weder Vater noch Mutter. Bin geboren worden um für Dich zu sterben. Was geht in Dir vor, wenn Du mich und meinesgleichen siehst?  Läuft Dir das Wasser im Munde zusammen oder sind wir Dir grundsätzlich egal, solange wir leben? Vielleicht empfindest Du auch Freude  wenn Du in unsere sanften Augen blickst und   die friedliche Botschaft  unseres Daseins erahnst. Schade nur, dass Fleisch keine Augen hat!

Was willst Du mir sagen, wenn Du von artgerechter Haltung sprichst? Denkst Du es verreckt sich leichter, wenn man vorher auf der Wiese stand? Glaubst Du im Ernst auf diese „MENSCHLICHE“ Art sei es für uns erträglicher vor unserer Zeit zu sterben? Für Dich ist es erträglicher –  und nur für Dich! Kannst nicht verzichten auf meinen Geschmack! Für Deine Gesundheit brauchst Du mein Fleisch und meine Eingeweide. Dein Eisenwert könnte sinken. Dein Blut könnte wässrig werden, so wie Dein Leben.

Pass auf! Alles was wir anderen geben kehrt ins eigene Herz zurück. Alles was in mich gepumpt wurde wird auch in Deinen Körper gelangen. Wenn sie mich holen steigt mein Adrenalinspiegel und meine Angst frisst sich in Deine Seele!

Sieh mich an!  Unter Todesangst werde ich wenn meine von Dir bestimmte Zeit gekommen ist  zum Schlachthof transportiert, wie eine Ware. Sie schneiden mir die Kehle durch,  schlitzen mich auf, teilen mich  in Scheiben ein und lassen mich so in die Anonymität gleiten, die Du doch so liebst.  Denke in Zukunft bei jedem Bissen meines Fleisches daran, dass ich für Dich mein Leben lassen musste und sei mir zumindest dankbar für dieses Opfer!

Sieh mich an!  Du hältst mich für dumm, doch vielleicht trage ich die Weisheit der Welt in mir. Die Weisheit, die mich wissen lässt, dass wir alle eins sind, für die Ewigkeit verbunden und doch so verloren.

Sieh mich an und werde menschlich,  Mensch!

(Gudrun Schön-Stoll)

Ansichten einer Kuh. (c) Gudrun Schön-Stoll

 

Über die Autorin

Gudrun Schön-Stoll ist freischaffende Malerin & Poetin, lebt und arbeitet in Ladenburg. Ihr künstlerisches Hauptanliegen sind Lebensbefindlichkeiten, die sie sowohl bildnerisch, als auch in  Textform übersetzt.

Der hier präsentierte Text sollte für ein lokales Kunstprojekt genutzt werden. Vor ein paar Jahren wurde die Künstlerin von einem Landwirt gefragt, ob sie für ein Kunstprojekt (Ku(h)nst) eine lebensgroße Kunststoffkuh bemalen würde. Sie verneinte, da sie dies als hauptberufliche  Malerin & Poetin nicht ernst nehmen konnte. Da der Interessent nicht locker ließ, machte Gudrun Schön-Stoll ihn darauf aufmerksam, dass sie Vegetarierin sei und nur unter der Bedingung mitmachen würde, dass sie die Kuh auf ihre Weise gestalten könne. So kaufte sie ein Modell, teilte es in das sogenannte Fleischernetz ein, hob nur die Augen hervor und schrieb einen poetischen Text, der dann auf der späteren „Kunststoffkuh“ so geschrieben werden sollte, dass die Betrachter die Kuh umrunden müssten.

Gescheitert ist das Projekt dann daran, dass der Landwirt, der gar nicht abgeneigt war,  nach der Vorstellung der Idee das Landwirtschaftsministerium anrief, um das offizielle Okay zu bekommen. Dort wurde ein klares Nein ausgesprochen.

PETA50Plus hat sich zusammen mit der Künstlerin dazu entschlossen, das Projekt zu zeigen, um möglichst viele Menschen über die sensiblen Tiere zu informieren und über ihr Leiden zu informieren.

Weitere Informationen unter schoenstoll.de

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