Für Tierfreunde im besten Alter

Alte Freunde, neues Essen oder „Was ist das Braune da auf den Nudeln?“

Meine Freundin, nennen wir sie Sabine, kenne ich seit genau 30 Jahren. (Früher wunderte ich mich immer, wenn Ältere so etwas sagten, vor 20 Jahren waren wir hier, vor 30 dort … doch das ist ein anderes Thema!). In dieser Zeit haben wir so ziemlich alle Dinge des menschlichen Daseins miteinander durchgemacht – Geburten, Scheidungen, Todesfälle engster Angehöriger und auch von Haustieren – und eine Zeit der Funkstille. Auch wenn wir uns nicht allzu häufig sehen, sind wir doch eng miteinander verbunden und treffen uns manchmal auch mit Mann und Maus, nein, Katze.

Essen mit Freunden. Foto: by_Joachim-Berga_pixelio.de

Essen mit Freunden. Foto: by_Joachim-Berga_pixelio.de

Wir lebten schon eine Weile fleischlos, als Sabine und ihr Mann Peter, auch ein Pseudonym, uns zu einem gemütlichen Samstagabend einluden. Diese Abende waren immer sehr schön, wir aßen, tranken (häufig eine Überdosis Rotwein) und erfanden die Welt neu. Tabuthemen gab und gibt es eigentlich nicht – wie gesagt, in 30 Jahren passiert vieles. Verabredet hatten wir uns per E-Mail. Dann fiel mir noch ein, dass Sabine und Peter möglicherweise noch nichts davon wussten, dass wir kein Fleisch mehr aßen. Ich schickte eine kurze Nachricht hinterher und ging davon aus, dass nun alles klar war.

Was kann einem kuscheligen Quatsch-Abend unter guten Freunden da noch die Sprache verschlagen?
Sie denken es sich bereits – unsere neuen Ernährungsgewohnheiten. Sabine liest, wie ich später hörte, nur unregelmäßig ihre privaten Mails. Die beiden trugen das Essen auf – jeder bekam einen großen Teller Spaghetti mit einer braunen Masse darauf.

Ich: Was ist das?
Sabine: Was denn?
Ich: Das Essen!
Sabine, leicht befremdet: Nudeln!
Mein Mann Edgar: Nee, das Braune da auf den Nudeln!
Sabine: Hackfleisch!
Wir: Wir essen kein Fleisch mehr!
Sabine und Peter: ???
Ich: Hast du meine Mail nicht bekommen?

Es folgten Ansagen, dass Bio ja auch nicht immer und überhaupt, der Mensch braucht Fleisch und da will ich nicht drauf verzichten und Gemüse und Vitamine, ob das so gesund sei, das wisse man ja auch nicht, und noch einmal überhaupt und sowieso … Mensch, wir aßen doch nur keine Tiere mehr und kündigten niemandem die Freundschaft und den gesamten gesellschaftlichen Konsens auf! Oder doch?

Sabine und Peter aßen ihr Essen und wir das Brot, die Tomaten und die Gurken. Ohne alles. Sehnsüchtig starrten wir die Nudeln an, reagierten aber auch irgendwie paralysiert. Wir hätten uns auch über etwas Öl für das Gemüse gefreut, doch ein wenig war der Abend zu Essig geworden.

Später wurden wir fast rehabilitiert, denn es gibt ja noch Schlimmere, die Veganer! Unsere Tochter lebt schon lange vegan, wagten wir zu gestehen, und wir arbeiten daran, uns ein Beispiel an ihr zu nehmen!

Unserer Freundschaft hat der Abend nicht geschadet – wir lachen gemeinsam drüber. Und geringfügig zeitverzögert, nur wenige Wochen später, kam Sabine darauf, dass sie uns ja auch etwas anderes hätte kochen können. Darauf freuen wir uns jetzt schon!

Dieser Beitrag stammt von unserer Gastautorin Petra Große-Stoltenberg, vielen Dank dafür!

Durch die Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen